Kommentare 0

12./13. August: Wie schaut Aquila 10 Jahre nach dem Erdbeben aus?

Sogar der Alkohol von gestern konnte nicht verhindern, dass Tobi und ich stÀndig aufgewacht sind. Der Untergrund ist nÀmlich so schrÀg, dass wir im Schlaf stÀndig nach unten gerutscht sind. *Augenverdreh*

Doch die nicht sehr erholsame Nacht rĂŒckt sofort in den Hintergrund, als ich realisiere, gerade an einem See aufgewacht zu sein! Ich setzte mich auf und werde geflasht von dem wunderschönen Ausblick vor uns.

Die Morgensonne spiegelt sich glitzernd im Wasser, um uns herum ist alles still. Es fĂŒhlt sich an als wĂ€ren wir ganz alleine hier. Einfach herrlich! Am liebsten wĂŒrde ich kurz auf Stopp drĂŒcken und den unglaublichen Moment einfrieren.

Weil unsere Trinkflaschen leer sind, muss ich leider meinen kuschelig warmen Schlafsack verlassen und mich auf Wassersuche machen. “Es ist eh langsam Zeit alles zusammenzupacken und weiterzutrampen“ versuche ich mich zu motivieren.

Vom Lago di Scanno finden wir dann auch ziemlich schnell eine Mitfahrgelegenheit. Die Fahrt fĂŒhrt durchs Sangrotal, das seinen Namen vom Fluss Sangro hat. Der Ausblick ist (wieder mal xD) wunderschön: Die Straße schlĂ€ngelt sich durch grĂŒn schimmernde Felsen und tiefe Schluchten. Es ist fast so, als wĂŒrde man durch eine Filmkulisse fahren (leider habe ich es aber nicht geschafft ein Foto davon zu machen) 🙂

Ich hĂ€tte mir mehr erwartet…

Ich muss ehrlich sagen: Sobald wir in Sulmona ankommen, bin ich enttĂ€uscht. Ich habe irgendwie ein bisschen mehr von der Stadt erwartet. Wahrscheinlich ist in meinem Kopf immer noch das Bild von Avezzano, das doch ein bisschen grĂ¶ĂŸer und belebter ist.

Tobi und ich schlendern durch das Zentrum, schauen die historischen Kirchen an und lassen uns natĂŒrlich nicht die zahlreichen Confetti-GeschĂ€fte entgehen. Falls ihr bei Confetti an Konfetti und Karneval denkt, seid ihr falsch 🙂

Confetti in Sulmona zu BlumenstrĂ€ußen gebunden
TĂ€uschend echt: Confetti kunstvoll zu BlumenstrĂ€ußen zusammengebunden

Confetti sind nĂ€mlich mit einer knusprigen Zuckerschicht umhĂŒllte Mandeln. Ob bei der Taufe, der Hochzeit (ich kenne sie als Hochzeitsmandeln), dem Jahrestag: Bei jeder Zeremonie gehören sie hier dazu.

Hauptproduktionszentrum ist Sulmona, wo auch die bekannte Firma Pelino ihre ProduktionsstĂ€tte hat. Weil wir im TourismusbĂŒro erfahren, dass man die Firma gratis besichtigen kann, gehen Tobi und ich nachmittags dorthin.

Aber wirklich was von der Produktion sehen können wir nicht. Alles in allem muss ich sagen: Wenn ihr mal in der Gegend seid, dann schaut bei Sulmona vorbei. Aber ich wĂŒrde nicht extra hierher fahren, weil sich das meiner Meinung nach nicht lohnt.

13. August: Endlich in Aquila!

Das erste, das mir heute in den Kopf schießt, ist: Ich muss mein Handy finden! Gestern nach dem “Duschen“ war es nĂ€mlich nirgends mehr auffindbar ist. Ich bin zwar immer wieder den Weg auf- und abgelaufen, aber da es bereits dunkel war, habe ich die Suche auf heute verlegt.

In Sulmona haben wir hier geschlafen
Irgendwo hier muss doch mein Handy liegen?!

Nach einer halben Stunde im GebĂŒsch rumkriechen und Laub auf die Seite kehren, fĂ€llt mir jetzt zum ersten Mal ein, im Rucksack nachzuschauen. Vielleicht habe ich es ja doch gestern schon dort verstaut?

Sobald ich das Handy dann wirklich ertaste, fĂŒhle ich mich erleichtert und unglaublich dumm zugleich: Habe ich ernsthaft so lange gesucht, obwohl es die ganze Zeit hier drin war?!
Naja, Ă€rgern kann ich mich spĂ€ter, jetzt mĂŒssen wir schnell zum Bahnhof! Tobi und ich wollen nĂ€mlich mit dem Zug bis kurz vor Aquila fahren und dieser kommt in ein paar Minuten.

NatĂŒrlich taucht kurz vor unserer Haltestelle wieder der Kontrolleur auf. Weil wir aber auf Englisch antworten und dieser anscheinend kein Wort davon versteht, verlassen wir einfach den Zug, sobald dieser anhĂ€lt.

Unsere Rettung

In der Ortschaft holen wir unser Mittagessen und nach ewiger Diskussion machen wir uns schließlich bereit fĂŒrs Trampen. Wir möchten heute nĂ€mlich bis nach Aquila kommen.

Das gestaltet sich aber schwieriger als gedacht: Ewigkeiten kommen nur LKWs, die kurz vor uns auf ein FirmengelÀnde abbiegen. Dann hÀlt irgendein komischer Arbeiter (?), der wohl betrunken ist und Tobi und mich fragt, was alles zwischen uns lÀuft. Hallo?!

Schließlich kommt der entscheidende Moment: Von weiter Ferne sehen wir bereits das knallrote Auto die Straße entlang fahren. Schon die Farbe scheint zu schreien ‚ICH BIN EURE RETTUNG‘. Und so ist es dann auch: Die Fahrerin hĂ€lt, Juhu!

WĂ€hrend der Fahrt meint die Frau immer wieder, dass wir verrĂŒckt seien so was zu machen. Sie sagt, sie habe uns nur mitgenommen, weil wir so jung aussehen. Normalerweise gibt sie nie irgendjemanden eine Mitfahrgelegenheit.
Mich wundert es eher, dass sie bei uns eine Ausnahme macht, weil ihr Auto ganz neu und dementsprechend blitzeblank ist (und wir eher das Gegenteil davon xD)

Ganze Viertel in Schutt und Asche

Zuerst Aquila’s architektonischen Bauwerke im Zentrum….
…und dann ĂŒberall die GerĂŒste zwischen den GebĂ€uden, damit sie nicht weiter zusammenfallen

Aquila bietet ein sehr paradoxes Bild: Einerseits zieren Brunnen, Kirchen und diverse historische Bauwerke das Zentrum, andererseits sieht man hin und hin die zerstörten, (halb) zusammengefallenen GebÀude.

Im April 2009 hat es in dem Gebiet nĂ€mlich ein schweres Erdbeben gegeben, bei dem etwa 17.000 Menschen obdachlos wurden und einige Hunderte starben. An den GelĂ€ndern sehen wir zahlreiche Briefe hĂ€ngen, in denen die Angehörigen ihren Schmerz ausdrĂŒcken.

Die Fontana delle 99 Cannelle in Aquila

Ich bin also hin- und hergerissen zwischen der schrecklichen Vergangenheit und den schönen architektonischen Meisterwerken. Das Wahrzeichen der Stadt lassen Tobi und ich uns aber nicht entgehen: Die mit Steinmasken verzierte Fontana delle 99 Cannelle (Brunnen der 99 Röhren).

Der Tag neigt sich dem Ende zu

Als Tobi und ich bei einer Frittenbude vorbeikommen, fÀllt uns auf: Wir haben Ewigkeiten keine Pommes mehr gegessen. Der Geruch verlockt uns sehr, also fragen wir, ob wir welche haben könnten. TatsÀchlich sitzen wir wenig spÀter vor unserem Abendessen: richtig leckere, knusprige Pommes. Jummy!

Beim Schlafplatz haben Tobi und ich weniger GlĂŒck: Hinter der Mauer eines Parks breiten wir uns aus, doch der Geruch sagt alles… Hier gehen Leute öfters aufs Klo. Immer wieder steigt mir der versiffte Geruch in die Nase 🙁 Trotzdem halte ich es fĂŒr die bessere Idee hier zu schlafen, als ursprĂŒnglich geplant, in einem der halb verwĂŒsteten HĂ€user…

Werbung, unbezahlt

WIE HAT DIR DER BEITRAG GEFALLEN?
[Abstimmungen: 0 Durchschnitt: 0]

Schreibe eine Antwort