Die archäologische Stätte Saepinium-Altilia
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29. August: Wir werden zu Bewohnern der archäologischen Stätte Saepinium-Altilia

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass immer sobald Tobi und ich trampen, die Polizei unterwegs ist. So als wüssten sie genau wo wir uns fürs Autostoppen aufstellen. Gerade haben wieder Polizisten neben uns angehalten und gesagt wir dürften hier nicht trampen.

Tobi und ich glauben das nicht; also schauen wir im Internet nach und tatsächlich: Auf Schnellstraßen in Italien soll das Autostoppen verboten sein. Wir entscheiden uns ein Stück weiter zu gehen und uns dort wieder aufzustellen, damit nicht dieselben Polizisten nochmals kommen.

„Neue Stelle, neues Glück“, könnte man meinen. Doch kaum strecken wir unsere Daumen raus, kommt schon wieder ein Polizeiauto vorbei! Ich fass es nicht! Dieses Mal sind es andere Polizisten, die uns von hier verjagen wollen.

Tobi und ich haben aber nicht recht viele Möglichkeiten: Die nächste Bushaltestelle/Bahnhof ist ziemlich weit weg, also müssen wir entweder zu Fuß die Schnellstraße entlang gehen oder trampen. Als ich das zu den Polizisten sage, sehen sie wohl ein, dass autostoppen weniger gefährlich ist und fahren wieder davon.

Wir stehen 1 Stunde ohne Erfolg am Straßenrand

Nach einer Stunde erfolglosem Autostoppen, machen Tobi und ich eine Pause. Das ständige Arm-Raushalten und Hoffen uns nehme jemand mit, macht müde. Wir setzen uns auf das einzige Stück Wiese neben der Straße und rasten ein wenig.

Das Lustige ist: Beim 2. Versuch nach unserer Pause hält sofort jemand an und nimmt uns mit. Was für ein Glück! Der Typ heißt Nicola und ist super locker drauf. Er ist ganz schockiert, dass wir so lange am Straßenrand gewartet haben. Er hat uns anscheinend schon auf der Gegenfahrbahn vor 2 Stunden gesehen.

„Ihr seid wirklich verrückt!“

Weil es bereits Mittagszeit ist, lädt uns Nicola in ein Schnellrestaurant ein. Ich weiß gar nicht wie ich ihm meine Dankbarkeit zeigen soll, dass er uns so fürsorglich behandelt. Für mich ist es nämlich nach wie vor schwierig Sachen anzunehmen mit dem Gefühl nichts (Materielles) zurückgeben zu können.

Unsere besondere Reiseform ist für Nicola wohl ziemlich außergewöhnlich. Er kann sich jedenfalls nicht mehr einkriegen. Immer wieder sagt er: „Ma siete matti; ma proprio! (Ihr seid verrückt; aber wirklich!)“

Wir erkunden die archäologische Stätte Saepinium-Altilia

Archäologischer Park Saepinium-Altilia  bei Sepine

Hinter dem Restaurant befindet sich die archäologische Stätte Saepinium-Altilia. Tobi und ich hätten den Platz wahrscheinlich nie registriert, aber Nicola weiß bestens Bescheid. Er hat Archäologie studiert und führt uns durch die Anlage.

Saepinium-Altilia ist wohl eine römische Stadt gewesen; jetzt sieht man fast nur mehr Ruinen. Wir erfahren auch, was es mit den 4 verschiedenen Toren auf sich hat, den Hintergrund von den Spuren im Boden und andere Besonderheiten. Normalerweise interessiert mich Geschichtliches Null, aber Nicola erzählt mit so einer Begeisterung, dass ich gespannt zuhöre.

Er hat leider noch einiges zu erledigen, weshalb er nach der Führung schon weiter muss. Wir verabschieden uns schweren Herzens; ich habe Nicola in der kurzen Zeit echt lieb gewonnen.

Ralph der Verrückte

Tobi und ich haben keine Lust weiterzutrampen; also setzten wir unsere archäologisch geprägte Erkundungstour fort. Nach einiger Zeit gelangen wir zu einer Bar, wo wir mit einem Einheimischen ins Gespräch kommen.

Der Typ heißt Ralph und fragt sofort was wir machen. Anschließend folgen eine Reihe von Erzählung der Abenteuern in seiner Jugend. Ralph ist nämlich ähnlich skurril gereist wie wir: Mit einem Schlafsack im Gepäck hat er per Autostopp ganz Europa erkundet!

In Spanien sei er mit seinen Kollegen bei einem Stierkampf gewesen, wo einer seiner Freunde die Todsünde begangen und den Stier bei den Hörnern gepackt habe (ich wusste bis dato gar nicht, dass diese so heilig sind). Dieser Freund sei dann so verprügelt worden, dass sich Ralph und die anderen aus dem Staub gemacht haben. Klingt nicht nach loyalen Freunden, aber gut.

Als das Geld ausgegangen sei, haben dann Ralph und einer seiner Reisepartner am Bahnhof um Geld gebettelt. 7 Tage lang haben sie Leute um ein paar übrige Münzen gefragt. Am Ende konnten sie damit 2 Wochen reisen!

Aber nicht alles, was Ralph erzählt, können wir verstehen. Unser Italienisch ist doch ziemlich beschränkt, weshalb wir immer wieder nachfragen müssen. Schon Nicola meinte: „Es kann doch nicht sein, dass Italienern Italienisch lernen muss. Ihr seid doch Italiener!“ xD


*Tobi und ich kommen aus dem wunderschönen Südtirol. Wer die Geschichte nicht auf dem Schirm hat: Nach dem 1. Weltkrieg ist Südtirol zu Italien gekommen und wurde zwangsitalienisiert. D.h. Südtiroler wurden von den Faschisten gezwungen nur mehr Italienisch zu sprechen.

Auch die Familien und Ortsnamen wurden übersetzt und durften nur mehr in Italienisch ausgesprochen werden. Die Südtiroler haben aber trotzdem -v.a. im Geheimen- ihr Tiroler Dialekt ausgeübt. Deshalb ist auch heute noch von vielen Südtirolern Deutsch (bzw. das Tirolerische) und nicht Italienisch die Muttersprache.

Wie Römer im archäologische Park schlafen

Weil Ralph den Besitzer der Bar kennt, sitzen wir bis spät abends gemeinsam am Tisch, essen ein Eis und quatschen. Irgendwann sind Tobi und ich aber so müde, dass wir uns verabschieden.

Wir haben zum Glück schon auf dem Weg zur Bar verschiedene geeignete Plätze zum Schlafen gefunden. So müssen wir jetzt nicht lange in der Dunkelheit umher latschen, sondern können direkt unser Lager bei einem der Plätze aufstellen. Es fühlt sich an als wären wir einer der damaligen Bewohner dieser ehemaligen römischen Stadt.

Das Trampen heute und das lange Gespräch bis gerade eben, haben mich so müde gemacht, dass es wohl nicht mal 10 Minuten braucht, bis ich in einer anderen Welt mein Abenteuer fortsetze.

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