zu 3. trampen
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(9./)10. August: Autostop bei der Autobahn?!

Gestern (am 9.) sind wir nur ein bisschen in Rocca Canterano herumspaziert, haben Brombeeren gepflĂŒckt und sie wĂ€hrend unserem Sonnenbad im Park gesnackt.

Heute morgen, nachdem wir bereits alles zusammengepackt haben, haben wir wieder Besuch bekommen: Eine Frau mit einem Kaliber an Hund; aber total verspielt. Zuerst hat er Tobi’s Schuhe in Beschlag genommen, danach meine Flasche. Die hat ihm wohl so gut gefallen, dass er sie komplett zerstört hat…

Auf dem Weg in die nĂ€chste Ortschaft finden wie glĂŒcklicherweise nicht nur eine neue Flasche, sondern auch eine Mitfahrgelegenheit. Der Herr lĂ€dt uns sogar noch zum FrĂŒhstĂŒck ein; ein wenig spĂ€ter halten Tobi und ich total begeistert ein Brioche in der Hand. So krass, wie herzlich die Menschen hier sind 🙂

Die Polizei scheint unser tÀglicher Begleiter zu sein

Schon wieder machen wir uns auf in Richtung Autobahneinfahrt. Nach ca. einer halben Stunde hĂ€lt schließlich das erste Auto. Leider Pech gehabt: Die Fahrerin muss in die entgegengesetzte Richtung nach Rom.

Autostop bei der Autobahn

Also halten wir weiter unser Schild mit der Aufschrift AQUILA hoch. Doch statt einer Mitfahrgelegenheit hĂ€lt die Polizei. Ein Polizist steigt aus und kommt langsam auf uns zu. Ob wir nicht das Schild gelesen hĂ€tten?! Hier steht doch “NO autostop“.

Ich tu so als könnte ich kein Italienisch, weil ich Angst habe, dass wir sonst noch eine Strafe bekommen (obwohl: wir stehen ja noch vor dem Schild). Der Polizist macht uns klar, dass wir an der Hauptstraße trampen sollen. Sobald wir unsere RucksĂ€cke umschnallen und weggehen, fahren auch sie.

Das war nicht so gewollt…

Bis zu einer Tankstelle können wir schließlich mit einer ganz lieben Familie mitfahren. Tobi und ich wollen wieder Autofahrer auf der Tankstelle ansprechen, weil das in der Vergangenheit ganz gut geklappt hat.

Doch peinlicherweise fragen wir ohne es zu merken den Tankstellenwart, ob er nach Aquila fĂ€hrt. Zum GlĂŒck ist unser Akzent so stark, dass er uns nicht versteht. Wir tun schnell so als hĂ€tten wir nur gefragt, wo der Zug Richtung Aquila fĂ€hrt xD

Gleichsprachige unter sich

Da der Bahnhof ganz in der NÀhe sein soll und wir keine Mitfahrgelegenheit finden, wollen wir jetzt wirklich mit dem Zug fahren. Wir sehen, dass es keine direkte Verbindung zu Aquila gibt, also Àndern wir unseren Plan (was wir haben mal einen?!): Avezzano, eine Stadt in den Abruzzen ist unser Ziel.

Kaum vom Zug ausgestiegen, sehen Tobi und ich vor dem Bahnhof 2 junge MĂ€nner, die unmöglich Italiener sein können. Die beiden schauen auch immer wieder zu uns, sodass wir schließlich fragen, woher sie kommen und was sie hier machen.

Es stellt sich heraus, dass wir Deutsche vor uns haben und einer der beiden auch schon in Sydney gewesen ist. Ich könnte mit ihm noch lange ĂŒber Australien reden und in den Erinnerungen schwelgen. Mein Magen fĂ€ngt aber langsam an zu knurren.

Sobald wir sagen wir reisen ohne Geld, wollen sie uns sogar einen Teil ihres Proviants geben. Tobi und ich lehnen dankend ab, weil wir in StÀdte sowieso immer genug zu essen bekommen.

Wir lernen einen MarathonlÀufer kennen

Wir verabschieden uns schließlich und gehen ins erste GeschĂ€ft, das wir finden können. Der Ă€ltere Herr empfĂ€ngt uns fast schon wie seine eigenen Kinder; sowas habe ich noch nie erlebt. Lachend meint er: „Da habt ihr den Richtigen nach Essen gefragt“ und gibt uns Kekse, Toastbrot und FrĂŒchte.

Er beginnt von seinem frĂŒheren Leben zu erzĂ€hlen, als er noch Marathons gelaufen ist. Immer wieder zeigt er Fotos auf seinem Handy; seine Augen leuchten wĂ€hrend dem ErzĂ€hlen. Doch so spannend die Geschichten sind, Tobi und ich mĂŒssen noch einen Schlafplatz finden. Also machen wir abschließend ein gemeinsames Foto und verlassen den lieben Ă€lteren Herr.

Das beste Eis

Nachdem wir einen guten Teil der Stadt abgelaufen sind, finden wir ein stilles Örtchen hinter einem Haus fĂŒr das Eisenbahnpersonal. FĂŒrs erste verstecken wir mal hier die RucksĂ€cke.

Das beste Eis gibt es im Gran Caffe in Avezzano
Das beste Eis

Heute wartet nĂ€mlich noch ein spannendes Ereignis in der Stadt: Es soll ein Konzert mit Musik aus bekannten Filmen abgehalten werden, das Tobi und ich uns gerne anschauen wĂŒrden. Bei einer Bar fragen wir zudem um ein Eis und wir haben tatsĂ€chlich GlĂŒck: Sie geben uns eins 🙂

Ich muss gestehen: Es ist das beste Tiramisu-Eis, das ich je gegessen habe. Darum kann ich euch nur empfehlen beim Gran Caffe‘ vorbeizuschauen, wenn ihr mal in Avezzano seit.

Das Orchester rĂŒhrt mich zu TrĂ€nen

Um 20Uhr beginnt das Konzert. Eine Moderatorin erzĂ€hlt die HintergrĂŒnde der einzelnen StĂŒcke; das Orchester greift dann die verschiedenen Filme in Form von der entsprechenden Filmmusik auf.

Obwohl ich kein Musik- bzw. Konzertfan bin, berĂŒhrt mich die Musik zutiefst. Mit TrĂ€nen in den Augen folge ich dem Ensemble. Ich hĂ€tte es nicht fĂŒr möglich gehalten, dass Musik solche Emotionen bei mir hervorrufen kann.

Weil die Veranstaltung noch lĂ€nger zu dauern scheint, Tobi und ich aber ziemlich mĂŒde sind, kehren wir schließlich zurĂŒck zu unseren RucksĂ€cken. Was wir vorher nicht gesehen bzw. gerochen haben: Ich glaube der Platz wird des Öfteren als öffentliches Klo benĂŒtzt…

Wir sind aber so mĂŒde, dass wir das in Kauf nehmen. GlĂŒcklicherweise haben wir unsere Unterlage, damit unsere Matten und SchlafsĂ€cke immer sauber bleiben. Eine Weile höre ich noch die ZĂŒge vom Bahnhof in der NĂ€he; dann betrete ich das Land der TrĂ€ume.

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