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19. Oktober: Exklusiver Besuch vom Oberhaupt vom rifugio Saletti xD

Ein Wunder, dass wir nach dem Schock gestern ĂŒberhaupt noch schlafen konnten…
Ich habe aber nach wie vor Zweifel, dass der Holzstamm einfach so aus dem Kamin gerollt ist. DafĂŒr habe ich ihn zu gut zwischen die anderen hineingedrĂŒckt.

Lange grĂŒbeln, wie das heute in der Nacht passieren konnte, kann ich jedoch nicht: Schon wieder wecken uns Leute draußen vor der TĂŒr. Auch wenn sie dieses Mal nicht daran hĂ€mmern, können wir das laute Gequatsche bis hierher hören. Ausschlafen und sich bei dieser Rundwanderung erholen war wohl Traumdenken.

MĂŒhsam schwingen MĂ€ggie, Tobi und ich uns aus unseren SchlafsĂ€cken; nach einem lautem „GÀÀÀÀhn“ und diversen Verrenkungen, die eigentlich zum Stretchen gedacht wĂ€ren, bin auch ich bereit fĂŒr den heutigen Tag.

Kaum öffne ich die TĂŒr von der SchutzhĂŒtte, ruft mir auch schon freundlich ein Typ entgegen: „Hey, Betti!“ Ich denke mir nur so „HĂ€, wer ist denn das und woher kennt er meinen Namen?“, bis mein Gehirn langsam zu rattern anfĂ€ngt. Ah, das ist der Mann, der uns vor ein paar Tagen mitfahren lassen hat!

Zum GlĂŒck schaffe ich es mir den langen Denkprozess nicht anmerken zu lassen und mit einem sympathischen „Hey! Guten Morgen! Wie geht’s?“ zu reagieren.
WĂ€re ja peinlich, wenn er mitbekommen wĂŒrde, dass ich ihn schon wieder vergessen habe…

Kein Tropfen Wasser in Sicht!

Nach einem netten PlĂ€uschchen mit unserem Bekannten heißt es fĂŒr MĂ€ggie, Tobi und mich: Startklar machen fĂŒr die nĂ€chste HĂŒtte. Vor uns liegt nĂ€mlich ein gutes StĂŒck Fußmarsch und wir wĂŒrden gerne noch vor dem Mittagessen dort ankommen und den Nachmittag ein wenig gemĂŒtlich angehen.

zum rifugio saletti
Hier war ich noch im Glauben gleich am Ziel angekommen zu sein und nicht um Wasser bangen zu mĂŒssen

Doch wie es gerne so ist, kommt alles anders wie geplant…

Naja nicht alles: Wir kommen rechtzeitig am refugio monte spagnolo an, voller Entsetzen stellen wir aber fest, dass es hier nirgendwo Wasser gibt. Ich meine damit gar nicht Trinkwasser; dieses hat es bis jetzt an noch keiner SchutzhĂŒtte hier am Ätna gegeben. Normalerweise war aber wenigstens eine Zisterne vorhanden, die das Regenwasser auffĂ€ngt, das wir bisher immer abgekocht und dann verwendet haben.

Doch nichts dergleichen ist auffindbar: Was machen wir jetzt?

Da wir wieder mal einen brutalen Hunger haben, ist die Entscheidung wirklich schwer: Trinken oder Essen kochen? MĂ€ggie, Tobi und ich entscheiden uns fĂŒr Letzteres; jeder spendet den letzten Rest aus seiner Trinkflasche.

Es ist aber so wenig, dass nicht mal alle Nudeln mit ausreichend Wasser bedeckt sind. „Verflixt! So können wir das vergessen!“ Verzweifelt blicke ich umher; langsam mache ich echt einen Regentanz…

Meine Gedanken wie wir an Wasser kommen könnten werden schlagartig unterbrochen: Wie aus dem Nichts höre ich plötzlich ein paar Stimmen. „Das gibt’s doch nicht! Kommen da gerade ein paar Leute?“, rufe ich freudejubelnd zu Tobi und MĂ€ggie.

TatsĂ€chlich tauchen nach kurzer Zeit mehrere Radfahrer auf. Sofort bombardieren wir sie mit der Frage wo sich denn die nĂ€chste Wasserstelle befindet. „Tut mir leid. Das wissen wir leider nicht.“ Als sie aber auf ihre Wasserflaschen zeigen und meinen wir könnten den Rest haben, kann ich es kaum glauben. „Das ist ja wie eine 6 im Lotto!“ strahle ich sie fröhlich an.

Der beschwerliche Weg zum rifugio Saletti

Am liebsten wĂŒrden MĂ€ggie, Tobi und ich heute hier bleiben, aber ich glaube nicht, dass wir das GlĂŒck haben morgen frĂŒh wieder Leute zu finden, die uns ihr Wasser schenken. Und ohne dem Lebenselixier ist es nun mal schwierig die nĂ€chste Etappe zu schaffen.

Aus diesem Grund machen wir uns -mit gefĂŒhlt einem Kilo Nudeln im Bauch- in Richtung rifugio Saletti. Keiner von uns hat so richtig Lust, was man an unserem langsamen Gehtempo merkt.

Der Weg fĂŒhrt ĂŒber Stock und Stein, bzw. eher ĂŒber die hartgewordene Lava.

Ich versuche die wunderbare Aussicht als Ansporn zu nehmen; so wirklich gelingen mag mir das aber nicht. Erst als wir auf einem Schild lesen, dass es nur mehr eine Viertelstunde dauern soll, verspĂŒre ich wieder ein wenig Freude: Juhu, wir sind gleich da!

Noch schnell ein Foto schießen, dann geht es aber wirklich ab zur HĂŒtte: Endlich geschafft!

Das Erste, das ich erblicke ist die Wasserstelle vor der SchutzhĂŒtte: „Ey, schaut mal! Wir haben hier fließend Wasser!“ rufe ich volle Freude den anderen zu.
Ist schon krass, was man plötzlich zu schĂ€tzen weiß, was man sonst als selbstverstĂ€ndlich wahrnimmt.

Die SchutzhĂŒtte hĂ€lt sogar noch eine andere Überraschung parat: Im „Vorratsschrank“ finden wir eine TĂŒtensuppe, die wahrscheinlich andere Wanderer hier gelassen haben. „Das ist ja optimal! Lasst uns doch gemĂŒtlich duschen und dann die Suppe machen. Die mĂŒsste eh innerhalb 5 Minuten fertig sein“, schlĂ€gt MĂ€ggie vor.

Dagegen können Tobi und ich nichts einwenden; wir sind auch froh, wenn wir wieder mal das GefĂŒhl haben sauber zu sein.

In der NĂ€he der SchutzhĂŒtte laufen sogar Schweine frei herum

Zu schön um wahr zu sein

Bis zu dem Zeitpunkt als wir Feuer machen wollen, glauben wir mit dieser SchutzhĂŒtte im Paradies gelandet zu sein. Das böse Erwachen kommt aber, sobald wir probieren das erste Holzscheit anzuzĂŒnden: Im Kamin raucht es so stark, dass wir die Flammen sofort wieder auslöschen mĂŒssen.

Entweder ist er verstopft oder das Holz ist so jung, dass man es noch nicht verwenden kann. So können wir das Ganze jedenfalls vergessen.

„Fuck! Wenn wir heute kein Feuer haben, wird das eine kalte Nacht; eine verdammt kalte, hier in diesem Steinhaus…“, gibt Tobi zu bedenken.
„WĂ€re ja auch zu schön gewesen: Ein paar sĂŒĂŸe Esel und Schweine vor der HĂŒtte, fließend Wasser, genug zum Essen und ein gemĂŒtliches Feuer“, gebe ich zurĂŒck.

TatsĂ€chlich bin ich besorgt, dass die Nacht gleich schrecklich wird wie jene vor 3 Tagen. Möge unser Gebet erhört werden, dass uns heute nicht der Arsch abfriert…

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