So sieht der Cristo Redentore wirklich heilig aus
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17./18. September: Cristo Redentore-Der mĂŒhsame Weg zum „Erlöser“

Neuer Tag, dasselbe Spiel: Gerade stehen Tobi und ich am Straßenrand und halten wieder unsere Daumen raus. Dieses Mal dauert es aber keine 10 Minuten bis ein Mann hĂ€lt.

WĂ€hrend zu unserer Rechten ein Strand nach dem anderen vorbeizieht, erzĂ€hlen wir ihm mit Begeisterung von unserer Reise. Gerardo findet uns wohl ziemlich verrĂŒckt; schließlich beginnt auch er von seinem Leben zu berichten.

Er schildert wie krass sein Alltag sich verÀndert hat, als er vor 8 Jahren erkrankt ist. Tobi und ich verstehen nicht um was es sich handelt, weil sich unser Wortschatz im Italienischen doch ziemlich auf Alltagswörter beschrÀnkt. Wir bekommen aber mit, dass es eine schwere Krankheit sein muss, durch die Gerardo auch seinen Beruf als Anwalt aufgeben musste.

Ich weiß nicht was ich darauf sagen soll; einerseits habe ich Mitleid, andererseits bin ich der Meinung, dass jede Krankheit eine Chance bietet. Wahrscheinlich merkt auch Gerardo die angespannte Situation: Um das Thema zu wechseln oder einfach aus GroßzĂŒgigkeit, fragt er uns schließlich, ob wir ein Brioche möchten.

Sapri im Anflug

Ich spiele Pfarrer
Ich beim Blödsinn machen xD

So kommt es, dass Tobi und ich 10 Minuten spĂ€ter mit einer TĂŒte in der Hand und dem Backpack auf dem RĂŒcken Richtung Sapri stapfen.

Gerardos Endstation hat sich 2km davor befunden; mit genauester PrÀzision hat er versucht uns den Weg bis zur Stadt zu beschreiben, sodass wir jetzt fast nicht falsch laufen können.

Die Aussicht auf dem Weg ist beeindruckend; die Kleinstadt selbst gefÀllt Tobi und mir aber weniger.
Weil bei den anschließenden Trampversuchen niemand hĂ€lt, beschließen wir doch die Nacht hier zu verbringen und morgen unser GlĂŒck zu versuchen.

18. September: Auf zum Cristo Redentore!

Da es viel schneller geht, unbeschwerlicher ist und der Bahnhof sich eh in der NĂ€he unseres Schlafplatzes befindet, werden wir jetzt mit dem Zug bis nach Maratea fahren. Warum wir einen Stop in dieser kleinen Ortschaft einlegen?

Dort soll es eine 21m hohe Christusstatue (den Cristo Redentore) geben, die laut Internet auf alle FĂ€lle besichtigt werden sollte!

GlĂŒcklicherweise bleiben wir wĂ€hrend der Zugfahrt von einer Begegnung mit dem Kontrolleur verschont. Der extremen Steigung vom Bahnhof in Maratea bis zum Zentrum können wir uns aber nicht entziehen.

Eine halbe Stunde lang schleppen wir uns plus die 14kg auf dem RĂŒcken die Anhöhe hoch. Auf Google Maps sieht das Ganze aus als wĂŒrden wir einer Landstraße folgen mit einem Ziel mitten in der Pampa.

Überraschenderweise kommen Tobi und ich aber wirklich auf einen Platz mit historischen GebĂ€uden an. Oberste PrioritĂ€t hat jetzt aber nicht das Besichtigen dieser Bauwerke, sondern das Knurren des Magens.

In einem ultra kleinen Laden wollen wir unser GlĂŒck versuchen. Der Laden ist sogar so klein, dass Tobi und ich unsere Backpacks draußen lassen mĂŒssen xD

Aber wir haben immerhin die UnterstĂŒtzung einer Einheimischen: Sie hat unsere Bitte mitbekommen und redet gerade auf den VerkĂ€ufer ein, uns was zu geben. Ich weiß nicht, ob es an ihrer eindringlichen Art oder unserem höflichen Fragen liegt; am Ende kommen Tobi und ich jedenfalls mit einem Laib Brot wieder aus dem GeschĂ€ft 🙂

Es kommt anders als erwartet

Cristo Redentore von der Ferne
Cristo Redentore: Der Erlöser scheint da oben auf uns zu warten

Nach dem Essen ist meine Motivation noch geringer den 1Âœ-stĂŒndigen Fußmarsch zur Gottesstatue anzugehen. Der Weg ist nĂ€mlich gleich steil wie der vom Bahnhof bis hier ins Zentrum. Ich glaube wenn Tobi sich nicht so sehr fĂŒr die Besichtigung einsetzen wĂŒrde, wĂŒrde ich sie nur hier von der Ferne betrachten.

Die schmalen Gassen in Maratea
Die Gassen sind so eng, dass wir mit unseren Backpacks fast nicht durchkommen

Er möchte aber unbedingt da hoch, weshalb wir schließlich aufbrechen. Unser Vorhaben wird aber ziemlich bald gebremst: Am Beginn des Marsches mĂŒssen wir durch ein Wohnviertel durch, wo wir sofort einem Ă€lteren Herrn (als wahrscheinlich dauerhungrige Backpacker) auffallen.

Er meint er hĂ€tte noch was ĂŒbrig von seinem Mittagessen und wĂŒrde uns dazu einladen. NatĂŒrlich können wir uns das nicht entgehen lassen: Die letzten Tage hatten wir nur Brot, GebĂ€ck und ein paar FrĂŒchte zwischen den ZĂ€hnen.

Nach einem Teller leckerer Pasta Fagioli (Nudel mit Bohnen) und einem Glas Wein ist es aber wirklich Zeit aufzubrechen. Tobi und ich bedanken uns ganz herzlich und treten den Marsch nun offiziell an: CHRISTUSTATUE WIR KOMMEN!

Nomen Est Omen: Die Erlösung ist tatsÀchlich nicht weit

Heute scheint alles anders zu kommen wie geplant…

Aber im positiven Sinne: Schon nach ein paar Metern zurĂŒckgelegter Strecke hĂ€lt ein Auto neben uns. Juhee, wir können mitfahren!!!

Leider kann man nicht ganz bis zur Statue fahren, weshalb Tobi und ich die letzten Meter zu Fuß gehen. So schnell kann es aber gehen: Vor 20 Minuten haben wir noch Nudeln gegessen, jetzt sind wir schon bei der Statue!


Die im Italienischen Statua del Redentore (Statue des Erlösers) ist mit 21 Metern die 2. grĂ¶ĂŸte der Welt. Die von Rio de Janeiro soll noch höher sein, aber ehrlich gesagt finde ich diese hier schon wahnsinnig beeindruckend.

Von der Ferne hat sie zwar auch schon monumental gewirkt, aber erst jetzt, wo Tobi und ich direkt vor ihr stehen, kann ich ihre gewaltigen Dimensionen begreifen.

Cristo Redentore Maratea
Ich könnte doch locker den Job der Statue ĂŒbernehmen, oder? xD

Auch die Aussicht ist fantastisch: Von hier kann man auf Maratea blicken, sieht vom Landesinneren bis ganz zur KĂŒste und dem Meer. Ich bin mir nicht sicher, ob das in weiter Ferne Sizilien ist, aber laut Landkarte sollte es hinkommen.

Die Aussicht vom Cristo Redentore in Maratea
Leider kann man hier Sizilien nicht sehen; den Ausblick finde ich aber trotzdem atemberaubend
Die Basilica di San Biagio von Maratea
Und wenn man sich umdreht, erblickt man auf der gegenĂŒberliegenden Seite die Basilica di San Biagio

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