Im Nationalpark von Fiumedinisi
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6.- 8.Oktober: Eine Woche „Digital Detox“ auf Reisen-Was ist zwischenzeitlich passiert?

Tag 6

Bah, wie eklig! Als Tobi und ich heute aufwachen, sehen wir ĂŒberall schwarzes Zeug auf unseren SchlafsĂ€cken liegen!

Angewidert versuche ich mich von meinem Schlafsack zu befreien ohne dabei mit den KrĂŒmeln in BerĂŒhrung zu kommen. Auch wenn wir beide nicht wagen nach oben zu blicken, verrĂ€t uns schon der modrige Geruch, dass hier optimale Lebensbedingungen fĂŒr alle möglichen Tierchen herrschen.

„Immerhin noch besser als von einer flatternder Plane geweckt zu werden“ denke ich mir. In der Tat können Tobi und ich uns glĂŒcklich schĂ€tzen das Haus hier gefunden zu haben. In der Nacht hat es nĂ€mlich schon wieder geregnet und ohne entsprechender Überdachung wĂ€re unsere AusrĂŒstung jetzt bestimmt komplett nass.

Nicht ganz ungefÀhrlich!

Als nach dem FrĂŒhstĂŒck die Sonne ein wenig hervorkommt, sehen Tobi und ich unsere Chance gekommen die umliegende Gegend zu erkunden. Ok, eigentlich ist der Hauptgrund die Wasserflaschen wieder aufzufĂŒllen, weil Dehydrierung und so.

Unsere RucksĂ€cke verstecken wir im Haus; ich glaube nicht, dass andere hier vorbeikommen. Und wenn schon: Kein normaler Mensch wĂŒrde freiwillig einen Fuß in dieses verkommene GebĂ€ude setzen.

Nur mit den leeren Wasserflaschen bewaffnet brechen Tobi und ich schließlich auf. Da der Boden durch den ganzen Regen komplett aufgeweicht ist, mĂŒssen wir höllisch aufpassen nicht auszurutschen.

Ich möchte es mir gar nicht vorstellen: Ohne Handy mitten im Nationalpark unterwegs; bis einer von uns zwei zurĂŒck zu den RucksĂ€cken gelaufen wĂ€re und Hilfe kommen wĂŒrde, wĂ€re man wahrscheinlich eher tot als lebendig.

Als Tobi und ich auf einen gerade mal halben Meter schmalen Steig gelangen, traue ich mich deshalb auch gar nicht meinen Kopf zu heben. Nur aus meinen Augenwinkeln kann ich ein bisschen was von der wahnsinnigen Aussicht erspÀhen.

Digital detox: Wandern anstatt Handy
Am Ende mussten wir doch stehen bleiben und kurz diesen Ausblick bildlich festhalten

Zum GlĂŒck können wir diesen tollkĂŒhnen Weg schon bald hinter uns lassen. Jetzt geht es durch ein WaldstĂŒck mit hohen, moosbewachsenen BĂ€umen. Man merkt die Feuchtigkeit jedoch nicht nur am Landschaftsbild; auch die Luft lĂ€sst auf Wasser in der NĂ€he schließen.

Nach weiteren 10 Minuten ist es schließlich soweit: Tobi und ich stehen vor einem mit Farnen bewachsenen kleinen Wasserfall, dessen Rinnsal sich seinen Weg ĂŒber die schroffen Steine nach unten bahnt.

Als ich schließlich den ersten Schluck davon probiere, bin ich erstaunt: Krass, wieviel erfrischender und vitalisierender das Wasser hier an der Quelle ist als beispielsweise am Bach vom ersten Tag!

Kleiner Wasserfall mit Farnen
Klein aber oho! Ich finde diesen Wasserfall irgendwie total Àsthetisch

Tag 7

ZurĂŒck in die Zivilisation!

Das ist das erste, woran ich denke, sobald ich aufwache. Heute werden Tobi und ich nĂ€mlich unseren RĂŒckweg antreten!
Ok, wahrscheinlich geht es erst morgen nach Fiumedinisi, aber wir werden heute voraussichtlich wieder beim denselben Platz wie an Tag 1 schlafen und da war es doch recht belebt.

Obwohl ich mich freue bald wieder unter Menschen zu sein, wĂŒrde ich es bevorzugen noch ein paar Tage hier zu bleiben. Jetzt wirst du dich fragen: „HĂ€? Ihr seid doch ohne Plan unterwegs und habt alle Zeit der Welt; warum bleiben Tobi und du nicht einfach noch ein wenig hier?“

Nun ja: Erstens sind unsere EssensvorrĂ€te alle und die Erfahrung sich von WildkrĂ€utern zu ernĂ€hren möchten wir nicht wiederholen. Zweitens hat eine Kollegin von mir schon vor einiger Zeit den Vorschlag gemacht, sie könnte sich ab dem 12. Oktober fĂŒr ein paar Wochen uns anschließen.

Da sie dafĂŒr noch den Flug nach Sizilien buchen muss, sollten Tobi und ich ihr also langsam Bescheid geben. Um das zu machen mĂŒssen wir aber nicht nur die Handys einschalten, sondern brauchen auch Netz. Deshalb: ZurĂŒck in die Zivilisation!

Tag 8

Wo sind meine Sandalen?!

Nachdem Tobi und ich gestern nur mehr gemĂŒtlich bis zum besagten Schlafplatz von Tag 1 gegangen sind und es nachher wieder wie aus KĂŒbeln geschĂŒttet hat, gab es nichts Aufregendes mehr zu berichten.

Heute sieht das ganz anders aus… Als ich frĂŒhmorgens in meine Sandalen schlĂŒpfen will, weil ich die Schuhe draußen im Regen vergessen habe, stelle ich erstaunt fest: Ich kann sie nirgendwo finden!

Verflixt! Wo haben sie sich nur versteckt?

Verzweifelt suche ich den ganzen Schlafbereich ab, schaue sogar bei den umliegenden BĂŒschen und BĂ€umen nach: Nichts! Habe ich sie etwa beim Fluss liegen lassen? Als ich sie auch dort nirgends erblicken kann, beschleicht mich ein ungutes GefĂŒhl: Ich habe sie doch nicht etwa gestern auf dem Weg hierher verloren?!

Mein Verstand versucht vergebens eine andere mögliche ErklÀrung zu finden. Aber ohne Erfolg: Ich muss sie wirklich gestern verloren haben; dass jemand in der Nacht hierher gekommen ist und sie gestohlen hat, ist ziemlich unrealistisch.

Nachdem ich Tobi Bescheid gegeben habe, mache ich mich also auf dem Weg.
„Hoffentlich liegen sie hier irgendwo in der NĂ€he. Ganz bis zum verlassenen Haus zurĂŒck zu gehen wĂŒrde nĂ€mlich viel zu lange dauern“, denke ich mir.

Nach einiger Zeit treffe ich wieder auf den Bauern, doch auch er kann mir keine große Hoffnungen machen: „Also ich habe auf dem Weg hierher nichts gesehen.“
Na toll… Dann habe ich die Sandalen wirklich gleich am Beginn verloren. Also mehr als weitere 2km kann ich nicht gehen; das schaffe ich zeitlich nicht.

Als mir schließlich nach ein paar Kurven ein weiß-brauner Punkt auf dem Weg ins Auge sticht, schöpfe ich wieder ein bisschen Hoffnung: Ist das bloß ein Ast oder sind das meine Sandalen?

Je nÀher ich komme, umso klarer wird der Punkt. Sobald ich dann direkt davor stehe, kann ich es kaum glauben: Ich habe tatsÀchlich meine Sandalen wiedergefunden! Ueeeeeh!!!

Das Ende unseres Digital Detox

Voller Stolz prĂ€sentiere ich die Sandalen Tobi: „Ich ha-be sie ge-fun-den, ich ha-be sie ge-fun-den!“ TrĂ€llernd mache ich mich an die Reinigung. Nachdem ich sie anschließend noch ein wenig mit dem Lagerfeuer bekannt gemacht habe, können Tobi und ich endlich nach Fiumedinisi aufbrechen!

Sandalen auf Lagerfeuer trocknen
Der Trockner 1.0 xD

Sobald Tobi und ich uns immer weiter Fiumedinisi nĂ€hern, gewinnt schon bald ein ganz anderes Thema an Bedeutung: Wir schalten wieder die Handys ein! TatsĂ€chlich haben wir es geschafft, eine Woche lang mal nicht auf den viereckigen Teilern herumzutippen und stĂ€ndig verfĂŒgbar zu sein.

Obwohl die Zeit echt gut getan hat, freue ich mich jetzt trotzdem nachzusehen, was in der Zwischenzeit so passiert ist. Wahrscheinlich ist es die Neugierde und auch das GefĂŒhl „Habe ich etwas verpasst?“, das die Aufregung steigert.

EnttĂ€uscht stelle ich fest, dass fast gar keine Nachrichten eingegangen sind. Das hĂ€tte ich nicht erwartet! Dann erinnere ich mich aber wieder, dass ich ja jeder engstehender Person Bescheid gegeben habe. Es wĂ€re also beunruhigender, wenn sie das Experiment vergessen hĂ€tten 🙂

Welch Überraschung!

Als Tobi und ich schließlich in einer Bar um Essen fragen wollen, sind wir nicht wenig ĂŒberrascht auf eine alte Bekanntschaft zu treffen: Am Tisch sitzt der Deutsche, mit dem wir bereits am 1. Tag im Nationalpark ein paar Worte gewechselt haben.

„Hey, kommt doch rĂŒber!“ ruft er uns -genauso erstaunt, Tobi und mich wieder zu sehen- zu. Obwohl wir wirklich nur kurz miteinander gesprochen haben, fĂŒhlt es sich so an als wĂ€re er ein alter Freund von uns. Wenn wir auch seinen Namen erst im anschließenden GesprĂ€ch erfahren xD

Filippo ist ganz Feuer und Flamme als Tobi und ich ihm nun ein wenig ausfĂŒhrlicher von unserer Reise berichten. Ehrlich gesagt ist es wieder mal soooo angenehm wirklich das sagen zu können, was man sagen möchte.

Wollen Tobi und ich nĂ€mlich unsere Gedanken und GefĂŒhle in Italienisch ausdrĂŒcken, ist das immer nur ein Umschreiben mit den einfachsten Worten und schlussendlich entspricht das Gesagte nicht dem Gedachten*.

*Wir wohnen zwar in Italien (und sind demnach Italiener), unsere Provinz SĂŒdtirol ist aber erst nach dem 1. Weltkrieg an diese Nation gefallen. Demnach ist unsere Muttersprache Deutsch und Italienisch eine Fremdsprache, die wir in der Schule lernen.

WĂ€hrend wir also die ein oder andere Geschichte auspacken, steht plötzlich ein Teller vor uns: Filippo hat fĂŒr uns was bestellt! Dankbar machen wir uns ans Schnitzel mit dem Salat; unser Körper verrĂ€t, dass er die Energie dringend braucht.

Gerne wĂŒrden Tobi und ich noch lĂ€nger mit Filippo quatschen; doch wie immer muss irgendwann auch der Abschied kommen. Wir bedanken uns herzlichst bei ihm, tauschen noch Nummern aus und machen uns schließlich auf zum Trampen.

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