Blick von der Ponte Vecchia in Florenz
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10./11. Juli: Tobi und ich machen Florenz unsicher!

Wir werden zum Essen eingeladen

Sobald ich mein Handy frühmorgens einschalte, erwartet mich eine Nachricht von Andrea (der uns bis nach Vernio mitgenommen hat): Ob wir mit ihm essen gehen wollen, jetzt wo wir in Prato sind? Er lädt uns ein.

Ich warte bis Tobi auch wach ist und überbringe ihm die erfreuliche Mitteilung. Zuerst wollen wir absagen, weil es uns nicht passt mit nichts zu kommen und sich auf die Kosten von jemand anderem zu vergnügen.

Dann fällt uns ein: Wir könnten Andrea ja ein schönes Armband knüpfen! Wolle von gestern haben wir noch.

Im Restaurant & Sightseeing in Prato

Um 14Uhr sitzen Andrea, Tobi und ich also im Restaurant vor der Speisekarte. Wir küren Andrea zum Experten und sagen er solle das bestellen, was er sonst immer isst. Dann überreichen wir ihm fast feierlich das Armband; er muss bei unserer Idee, die Bänder gegen Geld zu tauschen, lachen.

Andrea hat uns eingeladen mit ihm zusammen was essen zu gehen.
Links Andrea (leider musste ich ihn unscharf machen), in der Mitte ich und rechts Tobi

Nach dem Essen zeigt er uns ein paar seiner Kunstwerke in Prato. Wir wussten gar nicht, dass er Künstler ist und öfters Ausstellungen macht. Er erklärt uns: „Wenn man eine beschmutze Wand so lässt, machen die Leute sie noch dreckiger. Übermalt man sie aber mit einem Kunstwerk, wird die Mauer keiner mehr bekritzeln.“ Ich glaube Andrea hat Recht damit: Die Wertschätzung ist dann eine andere.

Mittlerweile sind wir am Bahnhof angelangt; wir wollen nämlich heute noch nach Florenz kommen. Obwohl Andrea uns beim Essen seine ganzen Tricks fürs Schwarzfahren verraten hat, kauft er Tobi doch ein Ticket. Voll lieb.

In Florenz suchen wir uns einen Park zum Ausruhen; bis es dunkel ist bleiben wir hier. Weil aber überall Leute rumlaufen bin ich gegen Tobi’s Idee hier zu schlafen. Ich habe einfach ein richtig ungutes Gefühl.

Wir wissen nicht wohin, also entscheiden wir uns zuerst das Flussufer abzuchecken. Und siehe da: Keine Menschen sind hier unterwegs. Das Gebüsch verhindert, dass die Fußgänger von der Straße aus uns sehen. Hier fühle ich mich schon viel “sicherer“.

11.Juli. Wir erkunden Florenz

Wir erkunden Florenz. Die Santa Maria del Fiore gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Florenz.
Santa Maria del Fiore

Ich bin schon vor 2 Jahren mit meiner Freundin in Florenz gewesen, deshalb kommen mir bei unserem Stadtrundgang total viele Erinnerungen hoch. Mit den 15kg schweren Rucksäcken gehen wir von einem historischen Gebäude zum anderen; Florenz hat da viel zu bieten.

Ich übernehme die Rolle als Guide und erzähle Tobi von dem, was ich noch weiß. Weil wir ja ohne Geld reisen, können wir die Gebäude leider nur von außen betrachten. Andererseits ist es auch schön, nicht in einer Schlange von Touristen zu stehen und stattdessen nur ein bisschen durch die Straßen zu schlendern.

Unser Mittagessen, bestehend aus altem Brot, füllt wieder unsere Reserven auf. Tobi und ich beschließen noch heute zum Lago Castel Ruggero zu gehen. Das ist ein See, ca. 3 Stunden Fußmarsch von hier entfernt.

Mit dem haben wir nicht gerechnet

Nach 1 Stunde marschieren, merken wir, dass was nicht stimmt. Google Maps sagt, wir sind falsch abgebogen. So steigen wir kurzerhand einfach über eine Mauer und gehen querfeldein in die Richtung, die wir vorher hätten einschlagen sollen.

Unter Olivenbäumen durch, geht’s über einen sehr trockenen, steilen Hang runter zur nächsten Terrasse. Mein Gleichgewichtssinn ist mit dem Rucksack überfordert, 2x stolpere ich und liege wie ein Käfer auf dem Rücken. Für Tobi ein ziemlich lustiger Anblick.

Bald offenbart sich uns ein weniger lustiges Bild: Links vor uns befindet sich ein Haus, rechts Wiese; zusammen mit den bereits durchquerten Olivenbäumen handelt es sich wohl um ein Privatgrundstück.

Das Problem dabei ist, dass das ganz Grundstück mit einer 2m hohen Mauer eingezäunt ist. Die Straße auf die wir müssen, liegt dahinter. Es gibt offensichtlich kein Schlupfloch, durch das wir auf die Straße können. Vor der Mauer werkeln Bauarbeiter, die uns zum Glück noch nicht bemerkt haben.

Kacke, was jetzt?!Entweder wir kehren um, oder müssen diese Arbeiter fragen, ob sie uns durchs Tor raus lassen.

Wir entscheiden uns für die zweite Variante. Einer der Handwerker sieht uns und kommt uns entgegen. Ganz verdutzt schaut er uns an und versucht herauszufinden wo wir hin müssen und wie wir reingekommen sind. Ich sage, Leute hätten uns den Weg hier gewiesen und wir möchten zum See Castel Ruggero. Der Mann macht uns schließlich das Tor auf und wir können endlich weg von der unangenehmen Situation.

Wir holen uns Unterstützung

Tobi und ich kommen an einer Tankstelle vorbei, da schießt mir eine Idee in den Kopf. „Lass uns doch hier die Leute fragen, wo sie hin müssen! Wenn jemand in Richtung See fährt, bitten wir sie uns mitzunehmen.“

Gerade Mal eine Minute später hocken wir bei einer Frau im Auto. Ich bin überzeugt sie hat uns aus Mitleid mitgenommen, denn sie wirkt sehr besorgt um uns. Als die Frau erfährt, dass wir im See schwimmen wollen, meint sie ganz erschrocken: „Das ist total gefährlich. Der See ist eiskalt. Da sind schon Jugendliche drin gestorben! Mein Sohn geht nur in einer großen Gruppe dorthin.“

Na Prost, Mahlzeit! Wir wagen trotzdem das Abenteuer und lassen uns am See ablegen. Ganz vorsichtig probieren wir zuerst mit dem Fuß wie kalt das Wasser ist. Tobi und ich schauen uns an und prusten los: „Der ist ja wärmer als der See Castel dell‘ Alpi!“

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