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Reisen ohne Geld Tag 1: Pure Freiheit!

„Goodbye auf unbestimmte Zeit“

Wuhuuuu, endlich ist es soweit; der 2. Juli steht vor der Tür! Noch schnell alle Gepäckstücke inklusive Proviant (danke Mama :)) ins Auto verfrachten und dann ab zum Bahnhof!

Dort erwartet mich schon mein Kumpel Tobi. Seine Eltern schauen genauso unglaubwürdig, wie meine Mutter. Irgendwie können wir es alle (noch) nicht fassen, dass Tobi und ich diese Reise wirklich antreten. Ich meine: Reisen ohne Geld; sind wir verrückt geworden?

Ich mit Backpack auf dem Bahnhof in Bologna. Es ist mega heiß aber ich freue mich, dass die Reise ohne Geld losgeht.
Die Freude steht mir ins Gesicht geschrieben

Auch wenn ich es schon von Australien kenne, ist es doch komisch wieder: „Goodbye auf unbestimmte Zeit“ zu sagen. Sobald der Zug einfährt, meint meine Mutter: „Lasst auf alle Fälle was hören, falls ihr mal in Richtung Amalfiküste kommt, weil da wollte ich schon immer mal hin. Vielleicht schaffen wir es ja uns dort wiederzusehen.“

„Mach‘ ich, sage ich“, doch versprechen kann ich ihr nichts, weil ich ja selbst nicht weiß wo, was, wann genau passieren wird. Nach einer kräftiger Umarmung steigen wir dann schließlich in den Zug Richtung Bologna ein.

Die Fahrt verläuft relativ still, sind wir doch ziemlich aufgeregt was auf uns zukommt. Immer wieder merken wir die Blicke der anderen Passagiere. Wahrscheinlich liegt das nicht nur an unseren gigantischen Backpacks (die so ganz nebenbei aussehen wie voll behangene Christbäume), sondern auch an unseren Glatzen (ok Glatze ist gelogen; 3mm stehen immerhin noch xD ).

In Bologna…

…klatschen wir zuerst auf unsere weiße, norditalienische Vampirhaut eine gute Ladung Sonnencreme. Dann suchen wir den Einstieg für den von uns gewählten Pilgerweg via degli dei. Am Beginn spüre ich den Rucksack noch nicht so doll, doch das ändert sich nach 1 Stunde Fußmarsch schnell.

Sobald ich sehe, dass die Route über massenweise Treppen führt, bin ich wenig begeistert. Na wenn der Beginn schon so anstrengend ist, wie wird dann der restliche Weg werden? „Stay positive!“, versuche ich mir ins Gedächtnis zu rufen.

Nach gefühlt 1000 Treppen ist immer noch kein Ende in Sicht, was bei meiner Kondition anders aussieht: ich bin am Ende. Wir haben eh genug Zeit, also machen wir auf den Treppen Rast. Erst jetzt fällt mir auf, wie wunderschön die Aussicht ist: Dadurch, dass wir schon ein gutes Stück an Höhe gewonnen haben, können wir über ganz Bologna blicken.

Der Aufstieg zum Santuario della Madonna di San Luca hat sich gelohnt. Man hat einen wunderschönen Ausblick auf die umliegende Landschaft
Ausblick vom Santuario della Madonna di San Luca auf die umliegende Landschaft

Wo schlafen wir?

Schöne Aussicht hin oder her-wir müssen weiter, wenn wir nicht im Dunkeln den Schlafplatz suchen wollen. Und das wäre wohl keine so gute Idee. Ein Stück weiter sehe ich plötzlich neben der Straße einen Baum voller Ringlo und daneben einen mit Aprikosen. Tobi und ich rufen total erfreut wie zwei Kinder an Weihnachten: „Marillen¹, Marillen! Wir haben Marillen gefunden“!
¹zu deutsch: Aprikosen

Dass sie nicht vollständig reif sind, ist uns egal. Schmecken tun sie trotzdem. Wir packen so viele ein, wie wir tragen können. Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch offenbart sich uns dann der Fluss Reno, der sich jetzt neben dem Pilgerweg dahinschlängelt.

Wir beschließen hier beim Wasser zu schlafen. Somit ist das Trinkwasser für morgen schon mal gesichert und noch viel wichtiger: Wir können baden gehen!!! Voller Freude machen wir uns bereit in den Fluss zu springen, doch entsetzt müssen wir feststellen: Das Wasser reicht uns gerade mal bis zur Hüfte!

Aber das ändert nichts an unserer Begeisterung. Das Wasser ist total erfrischend. Während ich mich im Wasser auf den Rücken ein bisschen treiben lasse, denke ich mir: „Was für ein Luxus. So fühlt sich pure Freiheit an!“ Auch Tobias findet, dass der erste Tag einfach nur perfekt war. Da haben wir aber noch nicht die Nacht erlebt…

Sonnenuntergang am Fluss Reno am 1. Tag der Reise ohne Geld
Sonnenuntergang am Fluss Reno in Bologna

Das erste Mal unter freiem Sternehimmel schlafen

Unser Lager stellen wir nicht unweit vom Fluss auf, was sich als keinen guten Einfall erweist: „Bah, Tobi! Tobi, Hilfe!“, schreie ich. Hunderte blutrünstige Mücken schwirren um unsere Köpfe! Zum Glück ist das Mückennetz nach ein par Minuten aufgespannt. Schnell schlüpfe ich drunter; ich kann (und möchte) die ganzen Stiche gar nicht zählen…

Wir checken noch unsere Nachrichten (wir sind ja immerhin moderne Nomaden), bevor wir uns in die Schlafsäcke kuscheln und einschlafen.

Oh nein!

Doch mit Schönheitsschlaf wird das nichts; kurze Zeit später landen die ersten Regentropfen auf unserer Stirn. F**k! Warum haben wir nicht unser Tarp aufgespannt?

Weil Tobi und ich aber so müde sind, legen wir unser Tarp nur schnell über unsere Schlafsäcke und hoffen der Regen hört bald auf.

Dem war wohl nicht so…

Was am nächsten Tag passiert, erfährt ihr in meinem nächsten Artikel. Bis dahin: Stay tuned!


Kleine Anmerkung: Ich habe die Reise schon erlebt, aber schreibe sie in Gegenwart, weil ich finde das macht es für euch Leser spannender.

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