Nur die Natur im Blickfeld ist ein wunderbares Erlebnis
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16./17. Juli: Von Glück zu Unglück und die Überwindung (mentaler) Grenzen

“Aus Fehlern lernt man“, heißt es. Bei uns ist das wohl nicht so angekommen. Wir sind nämlich in der Nacht schon wieder vom Regen überrascht worden. Natürlich ohne Tarp über’m Kopf…

Also lassen wir wieder alles trocknen. “Ein bisschen extra Belüftung für den Schlafsack ist gar nicht so schlecht“, versuche ich es mir schön zu reden. Nach einer Stunde können wir dann endlich aufbrechen und den Frankenweg erkunden!

Ich bin total k.o.

Schon nach 12 km bin ich total erschöpft.; die Hitze in Kombination mit dem Rucksack macht mich fertig. Tobi könnte wahrscheinlich noch einige Kilometer laufen. Ein bisschen abseits vom Weg lege ich mich hin und schlafe ein bisschen. Danach fühle ich mich wesentlich besser. Also brechen wir auf, um die Umgebung auszukundschaften.

Momentan befinden Tobi und ich uns auf einer Anhöhe, doch wir können schon von hier die Häuser der Ortschaft Monteroni ausmachen. Um ins Zentrum zu gelangen, müssen wir zuerst den Hügel runter.

Quer durch struppiges Gebüsch und kratzige Hecken bahnen wir uns einen Weg. Irgendwann kommen wir dann auch unten an. Belohnung ist wohl der Baum voller Ringlo, der am Wegesrand auf uns zu warten scheint.

Heute sind wir echte Glückspilze

Zuerst wollen wir aber zum Supermarkt ein paar Dosen Bohnen holen. Nach dem Einkauf, finden wir glücklicherweise vor dem Geschäft eine Steckdose, wo wir unsere Handys aufladen. Bis diese geladen sind, chillen und quatschen wird ein wenig.

Das Glück scheint heute auf unserer Seite zu sein, denn auf dem Rückweg sehen wir ein Feld voller Korn! Natürlich nehmen wir ein paar Handvoll mit. Die Ringlo pflücken wir auch noch, dann geht es wieder steil bergauf zum Ausgangspunkt.

Dort wo ich mein Nickerchen gemacht habe ist nämlich ein Pavillon, der etwaige nächtliche Regengüsse abhalten soll. Denn wir möchten heute nicht schon wieder nass werden.

Ich kann euch sagen: Das war aber keine gute Idee…

Diese Hunde kennen auch kein Glück, so eingezwängt im Zwinger

Ganz in der Nähe von unserem auserkorenen Schlafplatz steht nämlich ein Zwinger mit 10-15 Hunden. Ihr könnt euch wahrscheinlich schon vorstellen: Wenn einer bellt, bellen alle. Dementsprechend verläuft die Nacht so richtig besch***en.

Immer wieder stimmen die Hunde zu einem lautstarken Gebell ein; um halb 3 frage ich mich was uns dazu gebracht hat diesen gottverdammten Ort als Schlafplatz auszuwählen?!

Den Hunden kann ich nicht mal die Schuld geben; eingezwängt auf so einem kleinen Platz ist ihr Verhalten verständlich. Ich ärgere mich viel mehr über die Menschen, die so was grausames machen!

Wir machen eine nette Bekanntschaft

Irgendwann ist auch die schlimmste Nacht vorbei; heilfroh brechen wir auf. Die Landschaft bringt mich auf neue Gedanken. Beeindruckt mustere ich das Bild aus den gelb, grün und braun leuchtenden Hügeln.

Es ist diese Sanftheit, die mich so fasziniert. Südtirol (da wo wir herkommen) ist geprägt von seinen hohen, spitzen Bergen. Da ist dieses Panorama doch ganz anders.

Die Landschaft auf dem Pilgerweg Via Francigena besticht durch ihre sanfte Schönheit

Nach unserer Pause zu Mittag, treffen wir auf eine Gruppe von bestimmt 60 jungen Erwachsenen. Tobi und ich kommen mit einer 21-Jährigen zu reden. Teresa (lass mich ihren Namen bitte richtig geschrieben haben…) erzählt das Motiv ihrer Wanderung und ich bin erstaunt: Sie sind eine religiöse Gruppe und möchten den Weg der hl. Katharina nachempfinden. Von Siena nach Rom zu pilgern ist ihr Ziel. Dabei werden sie immer wieder Pausen einlegen, beten und ihre Betreuer um Essen oder auch ein Zugticket fragen müssen.

Ich kann mir schwer vorstellen, dass ich für sowas Geld bezahlen würde. Aber hey: Auch unsere Reise würden viele nicht freiwillig machen. Das Gespräch ist auf alle Fälle mega interessant; auch weil ich das Thema “Religion“ aus Sicht einer jungen religiösen Erwachsenen erklärt bekomme.

Wie duschen wir?

Mittlerweile sind wir schon in Buonconvento angekommen; ohne die Ablenkung durch das Gespräch mit Teresa hätte ich bestimmt schon vorher schlapp gemacht. Ich merke wieder einmal, dass vor allem die mentalen Grenzen überwunden werden müssen; körperlich ist oft noch viel möglich.

Zwischen Bäumen bereiten Tobi und ich alles für unser Feuer vor. Wir sind ziemlich nah an der Straße, deshalb habe ich richtig Angst, dass wir entdeckt werden. Aber wir wollen heute unbedingt wieder duschen. Wären wir weiter vom Zentrum entfernt, müssten wir ewig weit zur Wasserstelle laufen. Schon jetzt müssen wir insgesamt eine halbe Stunde hin- und herlaufen.

Ich bin mir sicher du hast dich schon gewundert wie wir die körperliche Hygiene aufrecht erhalten. Hier kommt die Auflösung: Tobi und ich haben insgesamt 4l Wasser in den Flaschen Platz. Zuerst geht eine/r von uns Wasser holen und kippt es sich über den Kopf und nachher füllt der/die Zweite die Flaschen wieder auf und “geht damit duschen“. Irgendwie hat sich dieser Ablauf entwickelt und bewährt.

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