Heilendes Wasser vom Santuario San Francesco in Paola
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19./20. September: Was hat es mit dem heilenden Wasser von Paola auf sich?

Gestern haben Tobi und ich uns in der NĂ€he der Christusstatue niedergelassen, was sich als Ă€ußerst gute Idee herausstellt: Ich glaube ich hatte noch nie so einen megamĂ€ĂŸigen Ausblick wĂ€hrend dem ZĂ€hneputzen…

Vielleicht sollte ich mir ĂŒberlegen -wenn ich irgendwann wieder mal zu Hause bin- den Spiegel abzuhĂ€ngen und stattdessen ein Poster von diesem Anblick aufzuhĂ€ngen. WĂ€re doch viel motivierender als sein mĂŒdes Gesicht zu sehen, oder? xD

Ausblick vom Cristo Redentore in Maratea
Ein wunderbarer Blick auf Maratea

Ich fĂŒhle mich wieder wie 10 Jahre alt

Als Tobi und ich uns wieder Richtung Zentrum von Maratea aufmachen, entdecken wir am Wegesrand einen Feigenbaum. Na, der kommt doch wie gerufen!

WĂ€hrend wir da so stehen und uns unser FrĂŒhstĂŒck einverleiben, fĂŒhle ich mich fast ein bisschen wie Adam & Eva im Paradies: Die Ruhe um uns, die verfĂŒhrerischen sĂŒĂŸen FrĂŒchte des Feigenbaums, von denen wir naschen und vor uns der unglaubliche Ausblick. Fehlt nur noch die Schlange.

Der begegnen wir aber zum GlĂŒck nicht…

DafĂŒr geht’s direkt zur Bibliothek. Schließlich habe ich ja noch ein Versprechen einzulösen: Tobi die Insel-Behausung von Pippi Langstrumpf in Taka-Tuka-Land zu zeigen. Das letzte Mal hat es ja nicht geklappt.

Als ich die Bibliothekarin nach der DVD frage, spricht ihr Blick BĂ€nde. Wahrscheinlich hat sie nicht erwartet, dass wir um einen Kindefilm bitten xD

1. Versuch: Fehlgeschlagen

Irgendwann schaffen Tobi und ich es dann wohl doch zu trampen. Die dunkelblau-schwarzen Wolken ober unseren Köpfen verheißen aber nichts Gutes: Hoffentlich nimmt uns jemand mit, bevor sich das Wasser ĂŒber uns ergießt…

Dem soll wohl nicht so sein: Kurze Zeit spĂ€ter schĂŒttets in Strömen. Tobi und ich versuchen schnellstmöglich die Plane aus dem Rucksack zu bekommen; das mit der Schnelligkeit mĂŒssen wir aber noch ĂŒben. Von irgendwoher kommt ein Hund, der anscheinend auch das Trockene sucht und sich zu uns gesellt.

NatĂŒrlich ist das Ganze keine Dauerlösung; bereits nach 10 Minuten tropfts ĂŒberall rein. Tobi und ich hoffen, dass der Regen bald nachlĂ€sst, doch nichts da: Völlig durchnĂ€sst machen wir uns schließlich auf die Suche nach einem Dachvorsprung, wo wir unterstehen können.

PS.: Der Hund hat sich zwischenzeitlich aus dem Staub gemacht; er hatte es wohl nicht so mit der Treue.

FĂŒr den klaren Blick hat es sich gelohnt

Ich kann’s kaum glauben: Nach guten zwei Stunden durchgehendem Regen scheint tatsĂ€chlich wieder die Sonne. So als wĂ€re nichts gewesen. NatĂŒrlich nĂŒtzen Tobi und ich die Chance und machen uns bereit fĂŒrs Autostoppen.

Und tatsÀchlich dauert es nicht lange bis wir bei einem Australier im Auto sitzen! Wieder einmal wird mir bewusst wie klein die Welt doch ist: Erstaunlich, dass nicht nur viele Italiener nach Australien fliegen, sondern auch umgekehrt.

Dass es vorhin geregnet hat, ist jetzt deutlich vom Vorteil. Die Luft ist nĂ€mlich ganz rein und Tobi und ich können wĂ€hrend der Fahrt das klare Bild der KĂŒstenlandschaft genießen.

In Diamante ist unser Trip schließlich beendet: Es heißt aussteigen. Mitten im Zentrum hĂ€ngen dann Tobi und ich einfach mal unsere Plane zum Trocknen auf; wenn sie jemand stört, wird diese Person es wohl sagen.

Den restlichen Nachmittag machen wir nicht mehr viel, außer durch die KĂŒstenstadt zu spazieren und was zu Essen zu holen.

Das Wahrzeichen von Diamante in Kalabrien
Achtung schwer! xD Das Wahrzeichens von Diamante

20. September: In Paola

Zum FrĂŒhstĂŒck gönnen wir uns die gestrigen, von Tobi ergatterten Kekse. Ich kann nur sagen: Nicht das GesĂŒndeste, aber verdammt lecker!

Die gute Laune hÀlt leider nicht lange an; dass alle Trampversuche fehlschlagen macht es auch nicht besser. Ich glaube, mit dem Zug nach Paola zu fahren ist der einzige Ausweg.

Dieses Wasser soll Wunder bewirken

Ich weiß nicht, ob es am Tapetenwechsel liegt oder an der frischen Meeresbrise: Als wir in Paola ankommen, fĂŒhle ich mich jedenfalls ein StĂŒck besser. Und das, obwohl der Weg steil nach oben fĂŒhrt.

Auf Empfehlungen hin steuern Tobi und ich nÀmlich das allseits bekannte Sanktuarium an. Anscheinend soll es zig Tausende Menschen im Jahr anziehen, weil es dort heilendes Wasser gibt.

Als Tobi und ich nach dem steilen Aufstieg oben ankommen, sind wir auf jeden Fall froh, direkt bei einer Wasserstelle zu sein. Überraschenderweise handelt es sich aber nicht einfach um einen Brunnen, aus dem das gesegnete Wasser herauskommt; nein…

….Mit einer Kelle schöpft man das Wasser aus einem tiefen Wasserbecken und trinkt es direkt aus dieser oder man fĂŒllt es sich in Flaschen ab.

Heilendes Wasser vom Santuario San Francesco in Paola
VerĂŒble mir nicht meinen Gesichtsausdruck

Ich weiß: Mein Gesichtsausdruck sieht alles andere als begeistert aus. Ich hoffe, dass ich noch die heilende Wirkung zu spĂŒren bekomme. Die Einheimischen von Paola schwören jedenfalls drauf!

Falsche GroßzĂŒgigkeit

Nach dieser…Ă€hhh…speziellen Erfahrung wieder im Zentrum von Paola angekommen, sind unsere GelĂŒste auf ein Eis groß; mal sehen was sich machen lĂ€sst.

Bei der ersten Eisdiele bekommen wir einen Löffel zum Probieren; bei der zweiten sieht das ganz anders aus…

Zuerst fragt uns der VerkÀufer noch freundlich wie er uns denn helfen kann. Als wir ihm aber unsere Reise erklÀren, nimmt er eine ganz andere Haltung ein. Er fragt uns, woher wir kommen, ob wir die Schule fertig haben und wie es mit dem Arbeiten aussieht.

Normalerweise werden Tobi und ich nie so durchlöchert, weshalb mir das Ganze schon ein bisschen komisch erscheint. „Also arbeiten möchten wir dann auf Sizilien; bei einer Farm oder vielleicht als Erntehelfer. Aber wir wissen noch nicht, ob die Wintermonate eine gute Zeit fĂŒr diese Art von Arbeit sind. Vielleicht wird es auch Februar oder MĂ€rz.“

Unsere Antwort scheint den Mann zu triggern: „Ah, ich verstehe; immer spĂ€ter, spĂ€ter, spĂ€ter. Ich sage euch: Ich gebe euch jetzt das Eis. Aber ihr im Norden wĂŒrdet das nicht machen. Ich habe damals Treppen gewischt!“

Ich denke mir nur so: „WTF! Wenn du uns kein Eis geben willst dann sag doch nein. Das ist ja kein Problem. Wir haben bloß gefragt. Nur: Uns eines zu geben, es aber eigentlich nicht zu wollen und dann sowas rauszuhauen, ist schon abartig.“

Als wir die Eisdiele verlassen, Ă€rgere ich mich ĂŒber uns selbst. Eigentlich hĂ€tten wir das Eis stehen lassen und einfach gehen sollen. Es ist diese falsche GroßzĂŒgigkeit, die mich so aufregt: „Ich bin ja soooo herzlich und gebe euch das, obwohl ich nicht möchte. Andere wĂŒrden das auf keinen Fall machen.“

Ein Zeichen am Himmel

Es ist schon krass, wie schnell einen negative Menschen runterziehen. Oder besser gesagt: Wie schnell ich mich durch sie runterziehen lasse. Deshalb ist es umso besser, als Tobi und ich uns Richtung Strand aufmachen. Das sanfte Rauschen und die letzten Sonnenstrahlen beruhigen mich wieder ein bisschen.

Als am Abend dann die Sterne und der Mond rauskommen, erscheint tatsÀchlich 5-10 Sekunden lang eine Sternschnuppe am Himmel. Wenn das kein Grund ist sich wieder auf das Positive zu konzentrieren!

Schlafplatz am Strand von Paola
Unser heutiger Schlafplatz

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