Die Kulisse während unserer Pilgerwanderung
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20.-22. Juli: Hinter dem Hühnerstall schlafen?

Heute ist Tobi richtig schwach. Normalerweise ist er derjenige, der noch locker einige Kilometer laufen könnte. Deshalb erschreckt es mich umso mehr als er meint, heute nicht mal bis zur 4km entfernten Ortschaft zu kommen.

Schlussendlich kann er sich aber doch aufraffen. Weil wir unabsichtlich ab Bagno Vignoni nicht mehr dem Via Fracigena gefolgt sind, kommt die erste Ortschaft erst nach 10km. Tobi hält bis dahin gut durch.

Eigentlich sollte es in der Ortschaft einen Supermarkt geben, aber der hat wohl schon seit Jahren geschlossen. In der Hoffnung was Essbares zu bekommen gehe ich zur einzigen Bar im Dorf. Ich habe Glück: Mit 2 Bananen bewaffnet komme ich wieder aus dem Lokal.

Bei dem Hühnerstall schlafen?

Hinter einem Hühnerstall breiten wir unser Lager aus und ich koche mir meine Nudeln. Ab jetzt weiß ich, dass Hühner mindestens genauso laut sein können wie ein Zwinger voller Hunde. Es ist als würden sie uns verjagen wollen.

Doch wir lassen uns von unserem Platz nicht vertreiben, zumal weil eine Wasserstelle in der Nähe ist und Tobi und ich dringend “duschen“ müssen. Ganz wohl ist mir während der “Dusche“ nicht, weil die nächsten Häuser doch ziemlich nahe sind und jeden Moment irgendjemand ums Eck spähen könnte.

Was so harmlos wirkt, wird zur Qual

Tobi hat bereits die Wasserflaschen aufgefüllt; heute bringen wir es zustande schon vor 8 Uhr zu starten. Wir haben es dann auch wieder zurück auf den Via Francigena geschafft, der sich gemütlich dahinschlängelt.

So schön, wie das Wasser durch die Landschaft fließt

Bis kurz vor Radicofani: Nach 3h Fußmarsch kann man schon von Bosheit sprechen, wenn kurz vor dem Etappenziel nochmals eine Stunde Steigung eingebaut ist… xD

Nach dem Delirium, sobald wir oben in Radicofani ankommen, legen wir uns kurzerhand auf den Gehsteig. Wir sind und sehen aus wie tot.

Schon wieder finden wir keinen Supermarkt

Letztendlich packt uns doch der Hunger (Tobi der Durst xD) und wir gehen ins Zentrum. Doch auch hier gibt es keinen Supermarkt und alle Dorfläden sind schon geschlossen.

Also machen wir uns auf den Weg, um Brennnesseln zu sammeln. Reis haben wir noch; alles zusammen wird das schon den Hunger stillen.

Oberhalb von Radicofani befindet sich Wald, wo wir uns niederlassen und kochen. Tobi hat sich mittlerweile entschieden das Fasten zu brechen. Aber nicht mit langsam größer werdende Portionen, nein: Er verschlingt eine riesengroße Schüssel voll Reis mit Brennnesseln! Ich kann mir kaum vorstellen, dass er heute Nacht gut schlafen wird xD

Wahnsinn, wieviel wir geschenkt bekommen haben!

Wahnsinn, wieviel wir geschenkt bekommen haben!

Schon frühmorgens gehen wir los, die Geschäfte um Essen zu fragen. Bei einer Bäckerei meint der Verkäufer: „Ja, wer kauft schon das Zeug von gestern…“ und packt uns eine riesen Tüte voll Essen vom vorigen Tag ein.

Wir bedanken uns herzlichst und staunen über die Menge, die wir bekommen haben: Kekse, Brot, Käse,

Alles mit uns zu schleppen, wäre viel zu ungeschickt. So müssen wir zum Frühstück soviel essen, wie wir schaffen und den Rest in der Hand tragen.

Weit kommen wir nicht,…

…weil schon bald eine ziemlich gute Stelle (mit Tisch, Bänken und Wasser!) uns fast schon zum Anhalten zwingt. Wir spielen noch Karten, schreiben Tagebuch und “gehen duschen“, bevor Tobi und ich uns den wunderschönen Sonnenuntergang gönnen.

Sonnenuntergang beim Pilgerweg Via Francigena

Würde die Dunkelheit nicht langsam überhand gewinnen, könnte ich bei dem Anblick nie schlafen gehen. Aber es wird immer finsterer, weshalb wir uns schließlich in den Schlafsack kuscheln.

Mir schießt in den Kopf: Morgen sind wir schon in Latium! Wir stehen nämlich nur mehr wenige Kilometer vor der Grenze! Wahnsinn, wie schnell die Reise bis jetzt verlaufen ist…

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