Die Polizei entdeckt uns
Kommentare 0

27. Juli: Die Polizei erwischt uns & ich fahre nach Hause

Du kannst dir nicht vorstellen was gerade passiert ist….! Aber von vorne:

Heute Nacht haben wir ja in so einer Art Sackgasse geschlafen. Du musst dir das so vorstellen: Zuerst ist ein Parkplatz, dann kommt so ein schmaler Durchgang zwischen GebĂŒsch und BĂ€umen und dahinter befindet sich schließlich die 4mÂČ große FlĂ€che, auf der wir uns ausgebreitet haben.

Hinter diesem Platz ist ein, ich wĂŒrde es Stollen nennen. Dieser ist abgeriegelt mit einer EisentĂŒr, auf der groß das Schild “Achtung videoĂŒberwacht!“ hĂ€ngt. Eigentlich habe ich schon gestern die Warnung gelesen, habe mir aber nichts weiter dabei gedacht.

Wir haben auf unserer Reise nÀmlich schon öfters solche Schilder -auch mitten in der Pampa- gesehen, wo in Wirklichkeit aber nirgendwo eine Kamera war. Naja was ich sagen will ist einfach, dass dadurch das ganze bei mir etwas an Ernst verloren hat.

Die Polizei ist im Anflug

Jedenfalls wachen Tobi und ich so um 8 Uhr auf, packen gemĂŒtlich unser Zeug ein, dann… kommen doch tatsĂ€chlich 2 Polizisten daher. Tobi und ich schauen uns an; unsere Blicke sagen beide dasselbe: “Oje, was jetzt wohl kommt…“

Es ist nĂ€mlich in Italien verboten in einer Stadt so zu schlafen, wie wir es getan haben. Zum GlĂŒck haben wir nicht das Zelt ausgepackt. Das erste, das die Polizisten fragen ist tatsĂ€chlich, ob wir hier gezeltet haben. Wir ganz unschuldig: „Nein, haben wir nicht.“ Biwakieren ist glĂŒcklicherweise weniger streng geregelt.

Der eine Polizist schaut uns an: „Ausweise bitte!“ WĂ€hrend wir der Aufforderung nachkommen, denke ich mir nur “verdammt!“. Die Polizisten scheinen ganz verwundert zu sein, dass wir uns ĂŒberhaupt ausweisen können (oder vielleicht weil sie nicht gedacht hĂ€tten, dass wir auch Italiener sind?). Jedenfalls machen sie uns nochmals klar, dass wir hier nicht mehr schlafen dĂŒrfen und gehen schließlich.

Mir fĂ€llt ein Stein vom Herzen; ich hĂ€tte nicht gedacht, dass wir ohne Strafe von hier wieder wegkommen…

Ich fahre nach Hause…

Dieses GlĂŒcksgefĂŒhl hĂ€lt nicht lange an, denn kurze Zeit spĂ€ter ruft mich meine Mutter an und sagt mir, dass meine Oma verstorben ist. Ich empfinde mehr eine BedrĂŒcktheit als Traurigkeit. Es ist so surreal, dass meine 95-jĂ€hrige Oma, die doch immer so fit gewesen ist und alles gemacht hat, plötzlich doch gestorben ist. Ich versuche mir ins GedĂ€chtnis zu rufen, dass alles seinen Sinn hat, dass nichts zufĂ€llig passiert.

Als ich Tobi die Nachricht ĂŒberbringe, sage ich ihm auch gleichzeitig, dass er wohl ein paar Tage ohne mich klarkommen muss. FĂŒr die Beerdigung werde ich nĂ€mlich nach Hause fahren; wann genau ich zurĂŒckkomme werde ich ihm dann wohl schreiben.

„Hier bleiben wir“

Diese Kartoffeln wurden aussortiert und auf dem Feld liegen gelassen

Da wir gestern viel gewandert sind und anschließend noch durch Viterbo angeschaut haben, gehen wir es heute gemĂŒtlich an. Auf dem Weg nach Vetralla entdecken wir ein Feld voller Kartoffeln. Diese wurden wohl aussortiert, weil sie nicht die passende Form oder GrĂ¶ĂŸe hatten. Tobi und ich freuen uns darĂŒber umso mehr und nehmen so viele mit, wie wir tragen können.

Ein bisschen außerhalb von Vetralla spĂŒren wir den zweiten Baum voll mit Aprikosen auf. „Hier bleiben wir“, beschließen wir einstimmig. Tobi pflĂŒckt die Aprikosen, ich koche wĂ€hrenddessen die Kartoffeln mit Brennnesseln.

Das Essen schmeckt richtig lecker; wie sehr ich Kartoffeln vermisst habe! Als Nachtisch gibt es dann die ultrasĂŒĂŸen Aprikosen. Ich ĂŒbertreibe nicht, wenn ich sage: Ein Traum!

Wie es wohl werden wird?

Sobald wir abends in unseren SchlafsĂ€cken liegen werde ich nachdenklich. Morgen fahre ich nach Hause; was meine Verwandten wohl zu meinem Buzzcut sagen und ob sie mich ĂŒberhaupt wiedererkennen? Wie wird es sein, nach fast einem Monat wieder in den eigenen 4 WĂ€nden auf einer Matratze zu schlafen?

Ich frage mich auch, wie es sein wird wieder meine Familie zu sehen. Wobei 1 Monat nichts ist im Vergleich zu den 9 Monaten in Australien. Ich freue mich aber definitiv jetzt schon meine Mutter zu sehen, sobald sie mich am Bahnhof abholt.

FĂŒr mich ist es total surreal, dass das alles schon morgen passieren wird…

Werbung, unbezahlt

WIE HAT DIR DER BEITRAG GEFALLEN?
[Abstimmungen: 0 Durchschnitt: 0]

Schreibe eine Antwort