Die kostenlose Dinge sind immer die schönsten
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25./26. Juli: Die besten Dinge sind kostenlos

Also irgendwie muss es hier andere Feiertage geben. Um 12 Uhr nachts hat es heute nämlich ein riesen Feuerwerk gegeben. Am Beginn habe ich gedacht es würde jemand in der Nähe schießen! Echt gruselig!

Wegen der nächtlichen Unterbrechung haben wir relativ lange geschlafen, aber der Weg ist zum Glück recht schattig. Das tolle bei diesem Pilgerweg ist (im Vergleich zum via degli dei), dass hin und hin Essen auf uns zu warten scheint xD

Ich bin so unendlich dankbar

Für das Mittagessen haben wir schon neben dem Weg Tomaten gefunden; jetzt stehen wir vor einem riesigen Baum voller Aprikosen. Bestimmt liegen schon 100 Stück am Boden! Tobi möchte weitergehen, aber ich sage zu ihm, dass wir uns doch nicht die ganzen Aprikosen entgehen lassen können!

Direkt gegenüber vom Baum steht ein Haus. Weil aber so viele Aprikosen am Boden liegen und auch der ganze Baum voll ist, trauen wir uns eine Tasche voll mitzunehmen. Schon während dem Pflücken schlagen wir uns die Bäuche voll.

Ich sage dir: So gute Aprikosen habe ich mein Lebtag noch nie gegessen! In mir kommt ein Gefühl riesengroßer Dankbarkeit hoch, sowas erleben zu dürfen. Wie glücklich wir uns doch schätzen können, in so einen Genuss zu kommen. Ich muss immer wieder feststellen: Die besten Dinge sind die, die kostenlos sind!

Wie unterhält man sich mit einem Südkoreaner?

Konversation mit einem Südkoreaner

Mit unser voll bepackten Tasche gehen wir weiter. Kurz vor unserem Etappenziel machen wir Bekanntschaft mit einem Südkoreaner. Er hat einen offline Übersetzer mit dem wir ein paar Worte austauschen. Schade, dass er kein Englisch kann, weil ich finde Menschen mit einer anderen Kultur und Lebensweise immer sehr spannend.

In einem Waschsalon laden wir dann unsere elektronischen Geräte auf und naschen immer wieder ein paar Aprikosen. Es ist echt erstaunlich wie süß die Früchte im Vergleich zu denen aus dem Supermarkt sind.

Auf dem Weg zum Zentrum von Montefiascone bekommen wir einen Laib Brot bei einem Bäcker, den wir uns für später aufbehalten. So schön die Aussicht von hier ist, so verwirrend finden wir die Ortschaft. Montefiascone soll fast 15.000 Einwohner haben, aber wir können einfach kein Zentrum finden!

Ich präsentiere: Unsere Schnapsidee von heute

Sobald wir zu einer Aussichtsplattform bzw. einem Platz kommen, sehen wir unseren heutigen Schlafplatz: eine Art offene Hütte mit Theke (?), die wohl schon für das morgige Fest aufgestellt wurde. Wir halten es für die Idee des Jahrhunderts, zu warten bis alle vom Platz verschwunden sind und dann auf dem Boden hinter der Theke zu schlafen.

Kostenlos schlafen in Montefiascone in einem Bretterverschlag

Tja, wir haben aber nicht damit gerechnet, dass sich hier bis spät in der Nacht noch Leute aufhalten. Um halb 12 sind Tobi und ich so müde, dass wir drauf scheiß*n, ob uns irgendwelche Menschen bei unserer Aktion beobachten oder nicht.

Kurzerhand breiten wir unsere Schlafsachen auf dem Boden der Hütte aus. “Durch die Theke kann uns eh niemand sehen, sobald wir mal eingekuschelt im Schlafsack liegen“, denken wir uns.

Ich muss aber ehrlich sagen: Ein bisschen komisch ist es schon, nicht zu wissen ob jemand in der Nacht kommt und uns hier so schlafen sieht. Ich bin aber zu müde, um mir länger darüber den Kopf zu zerbrechen und schlafe schließlich ein.

26. Juli: Heute ist echt nicht unser Glückstag

Es ist wirklich interessant, wie wir teilweise angesprochen werden. Auf den Weg zu den Thermen von Viterbo, schreit plötzlich ein Typ hinter uns irgendetwas Unverständliches aus seinem Auto. Tobi und ich drehen uns um und sehen wie er uns einen Zettel entgegenreicht.

Ein bisschen enttäuscht stellen wir fest, dass es sich um eine Visitenkarte von einem Hostel handelt. Der Typ ist anscheinend der Leiter davon und hat wahrscheinlich wegen unserer Rucksäcke gedacht wir wären interessiert an so einer Unterkunft. Was er nicht wusste ist, dass wir ohne Geld reisen…

Der Weg war umsonst…

Noch viel enttäuschender sind aber die Thermen! Ein bestialischer Geruch empfängt uns; auf der Wasseroberfläche schwimmt ein dicker Ölfilm von der Sonnencreme. Wir schwitzen wie sonst wer und mal ganz ehrlich: Wer hat Lust bei dieser Hitze in einer 50° heißen Therme zu baden?

Auf dem Foto schaut die Therme von Viterbo viel einladender aus
In Wirklichkeit haben die Thermen viel dreckiger ausgeschaut

Langsam frage ich mich, warum wir überhaupt hierher gegangen sind… Ich glaube ich bin noch so geblendet gewesen von der wunderschönen Therme in Bagno Vignoni. Weil es noch ein zweites Thermalbad in der Nähe geben soll, entscheiden wir unser Glück da zu versuchen.

10 Minuten später lesen wir dort auf einem Schild, dass die Therme wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Ach man!
Langsam gehen unsere Wasserreserven zu Ende; im Park gegenüber sollten wir sie wieder auffüllen können. Doch auch dieser ist geschlossen.

Also müssen wir uns wohl oder übel auf den Weg zum Zentrum machen. Nach unserem heutigen langen Marsch würde ich am liebsten hier schlafen. Aber gut, dann heißt es Zähne zusammenbeißen, um die letzten 4 Kilometer zu schaffen.

Unterwegs verliert Tobi dann noch seine Sonnenbrille; leider bemerkt er das erst, als wir im Zentrum ankommen. Also läuft er nochmals zurück, doch er kann sie nicht mehr finden.

Mir ist übel

Nachdem Tobi und ich wirklich viel zu essen bekommen haben, sind wir uns beide einig: „Wir brauchen zur Verdauung jetzt etwas Sprudeliges!“ Kurze Zeit später sitzen wir mit einer Flasche Sprite auf einer Bank vor dem Geschäft.

Doch schon nach den ersten paar Schlucken, kennt sich mein Magen gar nicht mehr aus. Die Kohlensäure führt zu einem unangenehmen Völlegefühl. Am liebsten würde ich mich übergeben. Für die nächste Stunde liege ich nur noch flach auf einer Bank; Tobi wartet neben mir bis es mir besser geht. Mit dem 1€ für das Getränk hätten wir definitiv besseres anstellen können…

Universum, zeig uns bitte einen guten Schlafplatz!

In einer Stadt ist es für uns immer weitaus schwieriger einen Ort zum Schlafen zu finden. Normalerweise gibt es nicht wirklich verlassene Plätze oder unkontrollierte Parks. Deshalb sind wir auch heute ziemlich verzweifelt bei der Suche.

Hinter einer Burg in einer Sackgasse glauben wir einen guten Fleck gefunden zu haben. Doch nicht nur uns gefällt es hier sehr gut… Ein Heer aus Stechmücken scheint seit Monaten auf so jemanden wie mich gewartet zu haben.

Unter dem Mückennetz wähne ich mich in Sicherheit und beginne die Stiche zu zählen. Ich komme auf sage uns schreibe 40!!! Und das nur auf meinen Beinen!

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