In Neapel hÀngen die Bewohner ihre WÀsche einfach zwischen den HÀusern auf
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31. August: Unglaublich! Wir sind in Neapel!!!

Uhhh, da ist jemand nicht gut drauf: Tobi und ich verspeisen gerade genĂŒsslich unser Brot zum FrĂŒhstĂŒck auf der Treppe vor einem GeschĂ€ft… da steht ernsthaft eine Frau neben uns, die HĂ€nde in die HĂŒfte gestemmt und regt sich lautstark auf: „Und wer putzt den Dreck hier wieder weg?! So eine Sauerei!“

Tobi und ich schauen uns und dann die Frau entgeistert an: Äh wir sitzen vor einem geschlossenen GeschĂ€ft und essen bloß ein leeres Brot? Man mĂŒsste schon mit einer Lupe kommen, um die paar Brösel zu sehen, die runtergeflogen sind…

Naja, was soll’s. Wir schĂŒtteln nur den Kopf und tun so als wĂŒrden wir kein Italienisch verstehen. Ich habe keine Lust mir den Morgen verderben zu lassen. Da wir eh mit dem Essen fertig sind, stehen Tobi und ich auf und starten unsere Suche nach einem geeigneten Platz zum Autostoppen.

Ich kanns kaum glauben: Wir steuern wirklich Neapel an!

Ein etwas grĂ¶ĂŸerer Lieferwagen hĂ€lt neben Tobi und mir. Der Geruch verrĂ€t mir schon, dass es sich um einen Fischlieferanten handeln muss. Als ich dem Fahrer unser Ziel nenne, kann ich es immer noch nicht glauben: Es geht wirklich nach NEAPEL, der 3. grĂ¶ĂŸten Stadt Italiens!

Auch nach einer Stunde Fahrt, als die Straßen Richtung Zentrum immer voller werden und die HĂ€user immer nĂ€her kommen, erscheint mir die Situation nach wie vor surreal.
Es fĂŒhlt sich an wie in einem wuseligen Ameisenhaufen: Dieser hat zwar irgendwo seine Ordnung, erscheint aber als Außenstehender total chaotisch. Der StraßenlĂ€rm und die ganzen anderen EindrĂŒcke erschlagen mich jedenfalls jetzt schon.

Trotzdem bin ich total neugierig wie die Zeit hier in Neapel wohl wird, denn Tobi und ich werden bestimmt ein paar Tage hier bleiben. Das einzige fixe Datum an das wir uns richten mĂŒssen, ist der 6. September, an dem meine Familie nach Vietri sul Mare kommt.

Ich schwelge in meinen Vorstellungen sie wiederzusehen und zusammen Urlaub zu machen. Am Strand zu liegen, die Sonnenstrahlen auf der nackten Haut zu genießen, gemeinsam zu quatschen und zu lachen…
…Bis ich realisiere, dass der Fischlieferant lĂ€ngst angehalten hat, weil wir schon am Ziel sind xD

Tobi und ich schnappen uns also unsere RucksĂ€cke und bedanken uns nochmals. Wir haben zwar relativ wenig mit dem Fahrer gesprochen (das neapolitanische Dialekt ist fĂŒr uns einfach unverstĂ€ndlich xD), aber es ist trotzdem eine angenehme Fahrt gewesen.

So funktioniert Neapel

Das erste, das mir auffĂ€llt als wir das BahnhofsgelĂ€nde verlassen: Von allen Seiten hört man das Knattern von MotorrĂ€dern und das „MIEP! MIEP!“ der Hupen. Es scheint, als wĂŒrde hupen hier das VerstĂ€ndigungsmittel Nr.1 sein.

Als FußgĂ€nger zu warten bis die Ampel grĂŒn wird, ist hier auch unnötig. In Neapel muss man anscheinend einfach ĂŒber die Straße gehen; erst dann halten die Fahrzeuge. Du siehst: Wir lernen schnell xD

Ich kann dich aber beruhigen: Was gefĂ€hrlich wirken mag, fĂŒhlt sich jedenfalls fĂŒr mich nicht so an. Mir kommt es so vor, als gĂ€be es hier zwar keine Verkehrsregeln, aber als wĂ€ren die Fahrer viel achtsamer.

Eine unverwechselbare AtmosphÀre

Die Altstadt von Neapel mit den engen, hohen Gassen
So viele Leute sind wir gar nicht mehr gewohnt

Tobi und ich kĂ€mpfen uns einmal quer durch die Altstadt. Die Gassen sind nĂ€mlich bummvoll; ĂŒberall wuseln Leute herum. Familien drĂ€ngen sich mit ihren Kindern in die Eisdiele vor uns; ein PĂ€rchen drĂŒckt sich an uns vorbei. Dadurch, dass die Gassen so hoch und schmal sind, kommt es mir kurzzeitig so vor als fehle die Luft zu atmen.

Trotzdem finde ich das Bild vor uns wunderschön. Die feilschenden Kunden an den GemĂŒsestĂ€nden sind nĂ€mlich genauso Teil der ganz besonderen AtmosphĂ€re, wie auch die Straßenmusiker auf der Piazza del GesĂč Nuovo.

Bei der Musikgruppe bleiben wir stehen und lauschen dem rhythmischen „TSCHAG! TSCHAG!“ der Rasseln, gemischt mit den GitarrenklĂ€ngen und dem melodischen neapolitanischem Gesang. Auch wenn ich das krasse Dialekt nicht verstehe, mag ich die Musik.

Eine alternative Musikgruppe im Zentrum von Neapel
Vielleicht ist es die alternative Art der Musiker, warum ich ihre Musik so toll finde

Schlafplatzsuche

Irgendwann mĂŒssen Tobi und ich uns von der Musik und dem Pizzaduft in der Altstadt dann doch trennen. Wir wissen nĂ€mlich noch nicht wo wir schlafen sollen, sind uns aber sicher, dass wir hier im Zentrum keinen Platz finden werden.

Da bis jetzt in StĂ€dten immer Parks unsere Lösung waren, suchen wir auch heute im Internet nach entsprechenden Möglichkeiten. Neapel scheint da gut aufgestellt zu sein; Tobi und ich steuern den Park Bosco di Capodimonte an. Eine Stunde Fußmarsch wartet auf uns. Also dann mal los!


Ob wir diese steile Treppe wohl hochkommen?
Da warten eine Menge Stufen auf uns

HĂ€tten wir nicht die schweren RucksĂ€cke dabei, wĂ€re der Weg nicht wirklich anstrengend. Durch das Gewicht auf dem RĂŒcken, bleiben wir aber kurz vor dem Ziel mit Entsetzten stehen: Vor uns erstreckt sich eine ellenlange, steile Treppe!

Welcome Muskelkater… Ich beginne lieber gar nicht die einzelnen Stufen zu zĂ€hlen; sonst wĂ€re ich jetzt am Anfang schon demotiviert xD

Danach dauert es aber zum GlĂŒck nicht mehr lange und wir erreichen auch schon den Park. Und ich muss sagen: Es war die beste Idee hierherzukommen (gut: die Situation in Rom zu ĂŒbertrumpfen, war auch nicht schwer…)!


Im Gegensatz zum Zentrum, ist hier die Luft durch die ganzen BĂ€ume nĂ€mlich ziemlich klar und erfrischend. Hinter einer Reihe von BĂŒschen breiten Tobi und ich unser Lager aus. Endlich kann ich meine Schuhe ausziehen und nachschauen, was mich denn die ganze Zeit so juckt…

Oje! Jetzt sind auch meine FĂŒĂŸe von den blassen, nĂ€ssenden Pusteln befallen. Handelt es sich um eine Allergie, die sich von den HĂ€nden auf den FĂŒĂŸen ausgebreitet hat? Mir gefĂ€llt das ganz und gar nicht… Hoffentlich geht der Ausschlag bald wieder weg! Nicht, dass ich noch nach Hause muss…

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