Ohne Geld in Taormina
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10./11. Oktober: Unabsichtlich auf dem Krankenhausparkplatz von Taormina geschlafen. LOL.

Kein Wunder, dass gestern den Autofahrern fast die Augen aus dem Kopf gefallen sind!
Nachdem Tobi und ich am Abend ziemlich mĂŒde waren und nirgendwo einen Schlafplatz gefunden haben, haben wir uns ja einfach hier auf den ĂŒberdachten Parkplatz gelegt.

Dass es sich aber dabei um den privaten vom Krankenhaus von Taormina handelt, merken wir erst heute morgen: Ziemlich erstaunt lesen wir den in fetten Lettern geschriebenen Schriftzug OSPEDALE (KRANKENHAUS) und mĂŒssen lachen.

„Jetzt können wir unserer Familie sagen wir haben auf dieser Reise sogar mal beim Krankenhaus ĂŒbernachtet“, meine ich schmunzelnd zu Tobi. Dieser entgegnet nur grinsend: „Zum GlĂŒck kennt uns hier niemand… Stell dir vor wir hĂ€tten das bei uns zu Hause gemacht… Mir wĂ€re das ultra peinlich!“

Taormina-Einen Besuch wert?

Leider sind uns weder das Wetter noch die Autofahrer wohlgesinnt: Auch sobald es anfÀngt zu regnen, reagiert niemand auf unsere Versuche eine Mitfahrgelegenheit zu finden.

Das heißt wohl, Tobi und ich mĂŒssen die halbe Stunde bis zum Zentrum zu Fuß meistern. Klingt nicht viel; mit 15kg auf dem RĂŒcken und bestimmt 13% Steigung ist das aber anstrengender als du vielleicht denkst.

Taormina Piazza IX Aprile
Taormina, Piazza IX Aprile

Im Zentrum angekommen, geht es erstmal zu einer Bar, wo wir die Handys hinterlassen. Wenn es hier schon keine Bibliothek gibt (nein, nicht die BĂŒcher, sondern die Steckdosen sind uns wichtig), mĂŒssen wir uns halt was anderes einfallen lassen: Not macht bekanntlich erfinderisch 🙂

HÀtten wir sie nicht abgegeben, wÀren Tobi und ich aber bestimmt nur kurz in Taormina geblieben. Das Zentrum ist zwar schön, aber wenn man -wie wir- ohne Geld reist, gibt es nur wenig zu sehen.

Ich möchte den Touristen-Hotspot auf keinen Fall schlecht reden: Falls du mal hier in der NĂ€he bist, mach auch alle FĂ€lle einen Abstecher nach Taormina! Aber vergiss nicht Geld mitzunehmen und einen sonnigen Tag auszuwĂ€hlen; dann kannst du genĂŒsslich ein Eis schlecken wĂ€hrend du die Aussicht genießt.

Taormina Ausblick
Bestimmt kann man bei schönem Wetter viel weiter sehen. Aber vielleicht kommen wir ja nochmals hierher?

11.Oktober: Schon wieder bei einem Obdachlosen

Von unserem Schlafplatz in der NĂ€he von Taormina geht’s jetzt wieder abwĂ€rts Richtung Bahnhof. Sorgen, dass uns der Kontrolleur erwischen könnte, mĂŒssen Tobi und ich uns aber nicht machen. Wir brauchen nĂ€mlich gar nicht erst mit dem Zug fahren: Ein Mann bietet uns tatsĂ€chlich eine Mitfahrgelegenheit bis ganz nach Giarre an!

Giardini Naxos
Zwischen Taormina und Giarre: Giardini Naxos.
Tobi und mir wurde die Ortschaft extrem oft empfohlen, aber ehrlich gesagt haben wir uns unter dem Namen (giardini=GĂ€rten) einen botanischen Garten und keine Kleinstadt vorgestellt

Noch völlig perplex, dass das so gut geklappt hat, bedanken wir uns bei ihm und beginnen uns mithilfe von Google Maps Orientierung in Giarre zu verschaffen: Als allererstes heißt es ab zum Meer! Tobi und ich brauchen nĂ€mlich beide wieder mal dringend eine Dusche!

Voller Vorfreude machen wir uns also auf; hier vom Zentrum sieht es aus als wÀren wir schon in 10 Minuten beim Strand.

Denkste!

Eine halbe Stunde lang latschen wir Richtung blauen Fleck am Horizont. Als wir endlich ankommen, die große EnttĂ€uschung: Überall schwimmt MĂŒll im Meer!
Ne, also das kann doch nicht sein! Jetzt haben wir uns so auf eine AbkĂŒhlung gefreut und dann das hier! 🙁

Mehr verĂ€rgert als niedergedrĂŒckt breiten wir unsere HandtĂŒcher aus: Dann genießen wir halt die Sonne!

Lange können wir uns aber nicht ĂŒber die Situation aufregen: Wie aus dem Nichts taucht vor unseren Augen plötzlich ein Ă€lterer Herr auf. Das GesprĂ€ch mit ihm ist eine willkommene Ablenkung, auch wenn Tobi und ich mit unserer Art zu reisen wieder mal auf UnverstĂ€ndnis treffen.

Anscheinend schockiert es Giuseppe sogar so sehr, dass wir um altes Brot gefragt haben, dass er uns was besorgen geht. 5 Minuten spĂ€ter steht er schließlich mit einer TĂŒte in der Hand vor uns: „Kommt mit. Ich hab da was fĂŒr euch.“

Vielleicht schreit bereits eine Stimme in deinem Kopf: „Waaaas?! Geht auf keinen Fall mit diesen Typen mit; ihr kennt ihn doch bloß seit ein paar Minuten!“

Nun ja, nachdem Tobi und ich so einige Leute auf dieser Reise getroffen haben, fĂŒhlt es sich nicht so an als wĂŒrde Giuseppe uns was antun wollen. Ich glaube das wichtigste ist aber immer auf sein BauchgefĂŒhl zu hören 🙂

Da dieses bei uns wie gesagt nicht Alarm schlĂ€gt, folgen wir Giuseppe und sind ein zweites Mal erstaunt: Die Ruine hier sieht nicht viel anders aus wie der Unterschlupf von Hassan. Anscheinend ist das aber nur Giuseppes vorĂŒbergehendes „zu Hause“, weil er immer nur saisonweise hier als Fischer arbeitet.

So wirklich sprechen möchte er aber ĂŒber die ZustĂ€nde hier nicht, also versuchen wir das Thema zu wechseln und widmen uns dem Essen. Giuseppe hat uns tatsĂ€chlich Mortadella, Tomaten und Toastbrot gekauft und prĂ€sentiert uns das Essen voller Stolz: „Schlagt zu! Hier habt ihr mal was vernĂŒnftiges zum Essen.“

Einfach mal an der Bootsanlegestelle schlafen.

Nachdem Tobi und ich uns bei Giuseppe nochmals herzlichst bedankt haben, wird es Zeit aufzubrechen. Es beginnt nÀmlich schon zu dÀmmern und wir wissen noch nicht wo wir heute unser Nachtlager ausbreiten können.

Entgegen unserer Erwartung gestaltet sich die Suche schwieriger als gedacht: Die StrÀnde sind auch um diese Zeit noch ziemlich gut besucht, also muss eine andere Idee her.

Nachdem Tobi und ich eine Weile alle möglichen Straßen rauf- und runtergelatscht sind, kommen wir schließlich an einer Bootanlegestelle vorbei. Zwar nicht der beste Ort, aber schon mal besser als das, was wir bisher gesehen haben.

UnauffĂ€llig versuchen Tobi und ich uns ganz an den Rand zwischen die Boote zu quetschen. MucksmĂ€uschenstill rollen wir die Matratzen aus, spannen unser MĂŒckennetz auf und packen die SchlafsĂ€cke aus. Schnell reinschlĂŒpfen und hoffen, dass uns hier niemand entdeckt.

Auf eine erholsame Nacht!

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