Der Circus Maximus in Rom
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3./4. August: In einem Privatgarten in Rom zu schlafen, war doch keine so gute Idee…

Es ist Samstag Abend und je wuseliger es in der Stadt wird, umso mehr Lust haben Tobi und ich mal wieder feiern zu gehen. Online suche ich nach Diskos, aber anscheinend gibt es entweder nur welche mit Eintritt oder es kommen nur Frauen gratis rein. Was fĂŒr eine Sexismus!

Die Engelsburg in Rom bei Nacht
Sightseeing statt Disko: Die Engelsburg in Rom bei Nacht

Also lassen wir es bleiben und schlendern ein bisschen durchs Zentrum. Weil StÀdte immer ziemlich an unseren Energiereserven saugen und die ErnÀhrung der letzten Tage uns auch nicht gepusht hat, muss heute was anderes her als Pizza: Wir fragen Sushi-Restaurants!

Als Backpacker bei Prada und Gucci…

NatĂŒrlich warten wir bis kurz vor der Schließung und versuchen dann unser GlĂŒck. 4 Lokale sind in der nĂ€heren Umgebung. Also starten wir den Marathon: Das erste Restaurant sieht ziemlich nobel aus, beim 2. schaut uns der Kellner (verstĂ€ndlicherweise xD) nur verdutzt an, das 3. ist wieder ziemlich nobel. Voller Hoffnung gehen wir deshalb zum 4. Lokal.

Beim Eingang warten TĂŒrsteher; hinter ihrem RĂŒcken lese ich auf einem Schild die Aufschrift Prada und Gucci. Ich denke mir “aber hallo, wo sind wir denn hier gelandet?“ Verwirrt fragen wir den TĂŒrsteher, ob wir falsch sind und das Sushi-Restaurant woanders ist.

Aber nein: Er in geschniegeltem schwarzen Anzug begleitet uns Zwei mit Backpacks und -naja- nicht ganz so modischer Kleidung zum Aufzug. So schnell wie möglich drĂŒcken wir uns in den Aufzug; ich wĂŒnsche mir einfach nur aus dieser grotesken Situation herauszukommen. Am liebsten wĂŒrde ich umkehren, doch Tobi meint, wenn uns oben ein schickes Luxusrestaurant erwartet, dann ĂŒbernimmt er das Fragen ums Essen.

Als die AufzugstĂŒr aufgeht, spĂ€he ich vorsichtig raus. Zum GlĂŒck empfangen uns nur ganz normale EssensstĂ€nde. Leider hat keiner von ihnen etwas ĂŒbrig, das sie uns geben könnten. Wir fahren also mit dem Aufzug wieder runter und verlassen endlich das GebĂ€ude.

In Rom auf einer Verkehrsinsel schlafen?

FĂŒr unseren Schlafplatz steuern wir dieses Mal einen anderen Park als gestern an. Er befindet sich auf einem HĂŒgel. Schon beim Raufgehen frage ich mich, warum ich mir das antue und wie herrlich es jetzt wĂ€re einfach in ein Hotel zu gehen und zu wissen dort einen Schlafplatz zu haben.

Der krönende Abschluss kommt schließlich, als wir sehen, dass der Park schon geschlossen ist. Es ist kurz vor Mitternacht; eigentlich hĂ€tten wir es uns denken können. F*ck, und jetzt?!

Die einzige Möglichkeit scheint auf einer Verkehrsinsel ein bisschen abseits der Straße zu schlafen. GebĂŒsch ist vorhanden, das uns ein wenig tarnt. Doch der Platz ist ziemlich uneben und bei seinem Klogang entdeckt Tobi, dass 5 Meter daneben schon jemand schlĂ€ft…

Nach ein bisschen Suchen entdeckt Tobi eine viel bessere Stelle hinter einem Parkplatz. Die FlĂ€che ist zwar wahrscheinlich privat, aber da wir sowieso frĂŒhmorgens weg sind, wird uns schon niemand bemerken.

4. August: Im Privatgarten zu schlafen, war doch keine so gute Idee…

Eingeschlafen bin ich gestern schnell; aufgewacht heute auch…. Aber nicht wegen dem StraßenlĂ€rm…

Sobald ich die Augen öffne stelle ich mit Entsetzen fest, dass 2 Meter neben uns jemand Laub rechnet! Ach du Schei*e! Was machen wir jetzt? Tobi ist mittlerweile ebenfalls wach; er kanns auch nicht glauben: Wer rechnet bitte schön sonntags um 7Uhr morgens Laub?!

Starr vor Schreck liegen wir in unseren SchlafsĂ€cken; nur ein GebĂŒsch trennt uns von dem Mann der das Laub bearbeitet. Wir hoffen und bangen, dass er uns nicht sieht in den jetzt fast schon leuchtend blauen SchlafsĂ€cken.

Um uns herum liegt ĂŒberall Laub. Wir haben deshalb nicht viel Hoffnung, dass wir unentdeckt bleiben. Ich male mir schon wilde Szenarien aus und versuche eine halbwegs vernĂŒnftige ErklĂ€rung festzulegen. So was wie “ah das ist hier privat? Tut mir leid, gestern war es schon Mitternacht als wir den Schlafplatz hier gefunden haben“ schießt mir durch den Kopf.

Nach gefĂŒhlt einer halben Stunde passiert dann das Unerwartete: Der Mann beginnt tatsĂ€chlich an einer anderen Stelle zu rechen! Tobi und ich atmen erleichtert aus. Entweder der Typ hat uns wirklich nicht gesehen oder bewusst ignoriert. Wobei ich Zweiteres fĂŒr unlogisch halte, denn wer lĂ€sst Fremde einfach so in seinem Garten schlafen?

Wir können uns nicht mal absprechen, denn das wĂŒrde der Mann in der geringen Entfernung eindeutig hören. Deshalb deute ich Tobi nur, leise das Zeug zusammenzupacken. Immer, sobald ein Auto auf der Straße neben uns vorbeifĂ€hrt, stopfen wir den Schlafsack ein StĂŒckchen weiter in den Rucksack.

Nach einer Ewigkeit haben wir’s geschafft: Unsere RucksĂ€cke sind gepackt und stehen bereit. Doch just in diesem Moment kommt ein anderer Mann mit Hund aus dem Haus.

Ich bete der Vierbeiner möge uns nicht beachten. Denn wenn dieser anschlĂ€gt, ist es ein Leichtes uns aufzuspĂŒren. Auch dieses Gebet scheint erhört geworden zu sein: Der Besitzer geht mit dem Hund nochmals zurĂŒck ins Haus!

Ich sehe meinen Augenblick gekommen und fliehe so schnell ich kann. Erst sobald ich mich in Sicherheit wÀge, blicke ich nach hinten. Tobi kommt nach; er meint es sei super auffÀllig gewesen so schnell wegzugehen. Mir egal; ich bin einfach froh jetzt hier zu sein.

Wir blicken durchs SchlĂŒsselloch auf den Petersdom!

Die Aussicht auf Rom vom JanishĂŒgel
Der Blick auf Rom

Um das Erlebnis zu verdauen, suchen wir ein ruhiges PlĂ€tzchen auf dem Gianicolo (JanushĂŒgel). Von hier haben wir einen wunderbaren Blick auf Rom. Eigentlich wollten wir noch in die kapitolinischen Museen, doch diese scheinen heute nur fĂŒr BĂŒrger von Rom gratis zu sein.

Deshalb Ă€ndern wir unsere Route und besichtigen das Forum Romanum, (wegen meinem Kunstgeschichteunterricht) das Pantheon und schließlich den Circus Maximus. Da das alles Touristen-Hotspots sind, freue ich mich abschließend auf das nicht ganz so bekannte Must-See: Der Blick durch das SchlĂŒsselloch auf dem Aventin (“Il buco di Roma“).

Blickt man durch das Loch, sieht man tatsĂ€chlich die Kuppel vom Petersdom! Es ist unglaublich! Was fĂŒr eine MĂŒhe, ein GebĂ€ude exakt so zu bauen, damit so was möglich ist!

Wir belassen es bei dem tollen Abschluss und machen uns auf Richtung Park. Mittlerweile ist es schon spÀter Nachmittag und wir möchten heute nicht schon wieder vor verschlossenen Toren stehen. Eine solche Horrorerfahrung wie heute Morgen reicht.

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