Ich auf dem Spielplatz in Rocca Canterano
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7./8. August: Das Ende unserer gemeinsamen Reise ohne Geld?

Tobi und ich wollten eigentlich warten bis Alessandro und seine Frau (die Besitzer des Parks) kommen. Weil es aber schon 10 Uhr ist und die beiden immer noch nicht da sind, schreiben wir einen Zettel. Darauf notieren wir unsere Handynummern und sagen Danke. Wir legen das Blatt auf einen Tisch und beschweren es mit einem Stein; hoffentlich sehen sie es.

Eigentlich wollten wir ja schon gestern raus aus Tivoli Terme trampen, aber niemand hat uns mitgenommen. Heute scheint sich dasselbe zu wiederholen. Also holen wir uns im Zentrum noch was zum Essen und suchen uns ein bisschen außerhalb einen Schlafplatz.

Aussicht Tivoli Terme
Die Aussicht von unserem Schlafplatz

8. August: Teilen sich unsere Wege?

Heute wollen Tobi und ich bis kurz vor die Autobahneinfahrt marschieren und versuchen von dort eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Auf dem Weg dorthin kommt es zu einer Auseinandersetzung, wo wir lang gehen müssen. Keiner will beim Handy nachschauen, sodass Tobi in die eine Richtung läuft, ich in die andere.

Ich weiß: Total bescheuert. Ich erzähle dir das aber, weil ich es wichtig finde die Realität der Reise darzustellen. Dazu gehören die schönen, wie auch die schwierigen Situationen. Es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Jedenfalls ist das erste, was ich mir denke: “Ist das jetzt das Ende unserer gemeinsamen Reise?“ Wir sind nämlich beide felsenfest überzeugt, den richtigen Weg gewählt zu haben. Keiner von uns wollte nachgeben.

Als aber nach einiger Zeit die Straße, der ich folge immer schmaler wird, muss ich einsehen, dass Tobi wohl doch richtig lag. Ich gehe also zurück in dieselbe Richtung wie er. Unser Schicksal will wohl, dass die Reise gemeinsam weitergeht, denn bei einer Bushaltstelle sehe ich Tobi -mit zwei Dosen Bohnen in der Hand- stehen.

Die Atmosphäre ist immer noch angespannt; es herrscht ein Dauerschweigen. Am Rand einer Wiese essen wir schließlich die Bohnen und ja: Essen hebt die Stimmung 🙂

Da ist jemand sehr begeistert von uns

Als wir uns dann zum Trampen aufstellen, haben wir endlich Glück: Bereits das 2. Auto hält. Der Mann deutet uns einzusteigen, telefoniert aber gleich weiter, sodass er nicht mal weiß, was unser Zielort ist.

Als wir bereits einige Kilometer gefahren sind, beendet er schließlich das Gespräch und fragt endlich wo wir hin müssen. Wir sagen: „Nach Aquila.“ Er ganz schockiert: „Was?! Ich fahre ja ganz in die andere Richtung, nach Gerano!“

Wie gut, dass wir keinen genauen Plan haben und flexibel sind. Also versichern wir ihm, dass auch das Bergdorf für uns passt.

Die Begeisterung für unsere Reise teilt er sofort seiner Frau mit, die gerade anruft: „Heyyy, du glaubst es nicht! Ich habe gerade 2 Südtiroler im Auto, die reisen komplett ohne Geld! Es ist ein Wunder! Ein Wunder! Ich habe noch nie von so einer Sache gehört!“

Tobi und ich grinsen uns an; am Ende gibt der Mann uns sogar noch 2€. Wir bedanken und verabschieden uns. Auch wenn wir durch die Telefonate nicht viel geredet haben, hat es Spaß gemacht seine positive Art kennenzulernen.

Wir bekommen 5€!

Zu Fuß machen wir uns auf den Weg zum nächsten Dorf: Rocca Canterano. Es geht sehr steil nach oben. Sobald wir das “Zentrum“ in 700m Höhe erreicht haben, bin ich mit sicher alle meine Sünden abgebüßt zu haben… Ich muss mal Pause machen und lege mich auf eine Steinmauer nieder.

Unsere Reise ohne Geld nimmt mich mit
Ich glaube um so unbequem schlafen zu können, muss man schon sehr müde sein xD

Nach einiger Zeit wache ich auf; da habe ich’s doch tatsächlich verpennt! Tobi hat währenddessen eine Runde in der Ortschaft gemacht und meint, weiter oben wäre ein toller Park. Also mobilisiere ich nochmals alle Kräfte und schleppe mich weiter nach oben.

Der Park ist echt schön und hat auch einen kleinen Spielplatz, auf dem wir unseren Spaß haben (wie man beim Beitragsbild sieht) 🙂 Es ist hier richtig ruhig und es gibt sogar eine Wasserstelle in der Nähe! Hinter einer Steinmauer kochen wir unser Abendessen: Nudeln mit Pesto (haben wir uns zur Abwechslung mal gegönnt).

Leider hat das Feuerzeug ausgedient; für uns ist es fast schon eine Investition ein Neues zu kaufen xD Glücklicherweise gibt es überhaupt ein Geschäft in der Ortschaft. Als Tobi zurückkommt, bin ich schon mitten im Gespräch mit einer Frau, die indessen gekommen ist.

Sie ist erstaunt, dass Tobi und ich den Weg hierher gefunden haben. Wir erzählen von unserer Reise und fragen sie, wie es ist, in so einer kleinen Ortschaft zu leben. Am Ende gibt sie uns sogar noch 5€(!), damit wir morgen legal Bus fahren können.

Nachdem wir uns verabschiedet haben, verleiben wir uns unsere leckeren Pestonudeln ein und gehen noch “duschen“. Falls du noch nicht von unserer Dusch-Methode gehört hast: Man nehme Wasserflaschen, fülle sie bei einer Wasserstelle auf und kippe sie sich über den Kopf. Keep it simple!

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