Sonnenuntergang am Strand in Salerno
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5. September: In Salerno-Vom Sonnenuntergang bis kurz vor dem Durchdrehen

Geeeil, noch einen Tag und wir können in die Ferienwohnung! Meine Familie kommt nämlich schon morgen nach Vietri sul Mare! Das bedeutet: 7 Tage Sonne, Strand und Meer! Ok, nicht, dass Tobi und ich das nicht schon auf unserer Reise gehabt hätten. Urlaub machen ist aber trotzdem nochmal was anderes 🙂

Noch sind wir aber in Neapel; mal schauen wie weit wir heute kommen. Vielleicht sogar bis nach Salerno? Dann wären es nur noch ein paar Kilometer bis Vietri sul Mare.

Sein Optimismus erstaunt mich

Da Tobi und ich die Erfahrung gemacht haben, dass es in Städten schwierig ist eine Mitfahrgelegenheit zu finden, möchten wir heute mit dem Zug ein Stücken außerhalb fahren. Von dort werden wir dann das Trampen versuchen.

Zuerst verspeisen wir aber mal gemütlich unser Frühstück: Ein Stück leeres Brot. Wir scheinen damit die Aufmerksamkeit des Typen, der gerade den Platz um uns kehrt, auf uns zu ziehen. Doch auch er wirkt nicht weniger skurril: Mit einem Besen (!) kehrt er den Schmutz auf der Wiese zusammen.

Im Gespräch stellt sich heraus, dass er von seinem Chef keinen Rechen bekommen hat und jetzt das Beste aus der Situation machen muss. Er kommt von Senegal, ebenso seine Eltern. Für ihn sei es hier sehr schwierig; nicht nur arbeitstechnisch, sondern generell Anschluss zu finden.

Zum 1. Mal wird mir bewusst, dass Menschen wie er nicht einfach sagen können: „Wenn es mir nicht gut geht, habe ich in diesem Land meine Familie, Freunde, einfach jemanden, zu dem ich zurückkehren kann.“

Wahrscheinlich bin ich deshalb umso erstaunter, dass er so eine positive Art hat. Das Gespräch mit ihm hat echt Spaß gemacht und am Liebsten würde ich ihm versichern, dass alles gut wird.

Wir sind sprachlos von seiner Großzügigkeit

Tobi und ich haben beschlossen es heute mal anders zu machen und ein Ticket zu besorgen; ich kann ja zum Glück gratis fahren. Auf dem Weg zum Bahnhof wollen wir deshalb ein paar Leute um ein paar Münzen fragen.

Bei den ersten zwei Typen kommen wir gar nicht mal dazu; schon bei: „Hey sorry, wir wollten euch fragen…“ drehen sie die Köpfe weg und gehen weiter. Nur nicht entmutigen lassen!

Das Erstaunliche: Beim 2. Versuch klappt es umso besser. Der Mann geht sogar in ein Café, um seinen 50€ Schein zu wechseln. Er fragt uns, ob wir ein Stück Pizza möchten, doch Tobi und ich sind von seiner Großzügigkeit so überwältigt, dass wir nicht wissen was antworten.

Der Mann bemerkt unsere Unsicherheit und nimmt uns die Entscheidung ab: Er drückt uns jeweils eine Tüte mit 1 Flasche Wasser und ein Stück Pizza in die Hand. Vom Wechselgeld gibt er uns noch 5€ und ein paar Münzen.

Also das kann ich auf keinen Fall zulassen! Ich gebe ihm wieder die Münzen zurück: „Ich kann mich gar nicht genug bei Ihnen bedanken; wirklich. Aber so viel brauchen wir gar nicht. Das Ticket kostet maximal 5€“.

Der Mann besteht aber darauf, dass wir das Geld behalten: „Das ist für eure nächste Mahlzeit.“ Tobi und ich bedanken uns nochmals ganz herzlich, können es aber immer noch nicht fassen: Hat der Mann da wirklich gerade uns Fremden das Ticket und Essen bezahlt? Das gibt es doch nicht…

Niemals, wirklich niemals hätte ich gedacht, dass das jemand macht. Klar: Dass mal eine Person 1€ gibt, die nächste 50Cent, usw. schon. Aber nicht, dass schon beim 2. Mal fragen jemand uns alles bezahlt!

Tobi ist genauso berührt (bzw. schockiert?) von der Großzügigkeit des Mannes; stumm gehen wir zum Bahnhof, um am Automaten das Ticket drucken zu lassen.

Noch verrückter als wir: Fast 3x ums Leben gekommen…

Da sich schon während der Zugfahrt nun auch unser Magen zu Wort gemeldet hat, kommt die Pommesbude neben dem Bahnhof in Salerno wie gerufen. Tobi und ich marschieren schnurstracks zu dem Laden und versuchen unser Glück.

Es scheint eine äußerst gute Idee gewesen zu sein: Vom Chef bekommen wir eine große Portion Pommes und auch mit Andrea, dem Angestellten, sind wir sofort auf einer Wellenlänge.

Sonnenuntergang am Strand in Salerno
Zwischenzeitlich haben wir diesen wunderschönen Sonnenuntergang genossen

Nach seiner Schicht erzählen wir ihm am Strand von unserem verrückten Abenteuer; danach lauschen wir seinen kuriosen Erlebnissen.

In Sizilien sei er ähnlich gereist wie wir; dabei wäre er wohl fast 3x umgekommen. Natürlich schockiert es uns das zu hören. Falls wir auf dieser Reise noch dort landen sollten, wird es hoffentlich nicht so gefährlich werden…

Wir tauschen Nummern aus und verabschieden uns, denn Andreas letzter Bus fährt in ein paar Minuten.

Zu müde, um nachzudenken, ob uns jemand überfahren könnte oder nicht

Weil am Strand, den uns Andrea empfohlen hat, jetzt um 22 Uhr sich immer noch Leute herumtummeln, entschließen Tobi und ich heute woanders zu schlafen. Zu Fuß machen wir uns Richtung Vietri sul Mare. Dann haben wir morgen weniger Strecke zurückzulegen.

Hier in Salerno scheint es nicht viel Auswahl bezüglich Schlafplätze zu geben; schon bald versperren die Container auf unserer Linken den Zugang zum Meer. Als wir nach einer halben Stunde schließlich im Hafen von Salerno landen, liegen meine Nerven blank:

Wir haben immer noch keinen vernünftigen Platz zum Schlafen gefunden und befinden uns in einer Sackgasse. Tobi und ich kapieren, dass wir falsch abgebogen sind. Die einzige Möglichkeit ist wohl wieder zurückzugehen, wenn wir wirklich Richtung Vietri sul Mare wollen.

Ach kann mich mal der kack Ort! Ich mache keinen Schritt mehr! Es ist nach halb 11, meine Beine schmerzen und ich habe keinen Bock mehr!

Tobi sieht die Sache ähnlich, also knallen wir uns einfach auf den Beton auf den hinteren Parkplatz. Ich bin ehrlich gesagt zu müde, um mir Gedanken zu machen, ob uns jemand überfahren könnte oder nicht.

Ziemlich in der Nähe scheint wohl eine fette Party geschmissen zu werden; bis hierher spüren bzw. hören wir das Wummern des Basses. Obwohl ich hundemüde bin, kann ich so kein Auge zumachen. Zum Glück ist um 23 Uhr Nachtruhe, an die sich die Leute halten: Erleichtert stelle ich fest, dass sie die Musik leiser drehen.

Kleiner Spoiler: Am nächsten Morgen werden wir aus dem Schlaf gerissen; vor uns steht der Besitzer des Parkplatzes: „Was macht ihr hier?! Der Platz hier ist privat!“. Er wirkt nicht weniger erstaunt erstaunt wie wir; hier hat wohl noch nie jemand geschlafen.

Tobi und ich entschuldigen uns und packen alles so schnell wie möglich zusammen. Wir haben nicht damit gerechnet, heute so aufzuwachen…

Fortsetzung folgt 🙂

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