Tobi macht Feuer, damit wir daruf was leckeres kochen können.
Kommentare 0

Tag 4-6: Eine außergewöhnliche Überraschung

Schluss mit pilgern

Meine Blasen wollen weiterhin meine lästigen Anhängsel sein, also ist heute Pause angesagt. Wir bleiben bei unserem Platz aber so kann es nicht weitergehen. Deshalb überlegen wir uns eine neue Strategie: wir werden trampen!

Morgen wollen wir das erste Mal per Anhalter fahren. Wir sind schon gespannt wie gut das klappen wird; ob wir lange warten müssen oder nicht. Mal sehen. Aufgeregt bin ich jedenfalls jetzt schon.

Unser Lager haben wir mitten auf dem Weg geparkt. Zum Glück ist niemand vorbeigekommen.
Unser Schlafplatz, bei dem wir heute mal einen Tag Pause einlegen

Das erste Mal trampen

Gesagt, getan: Am nächsten Tag stehen wir nicht unweit von unserem Schlafplatz auf der Straße und strecken den Arm raus. Wir haben vorher geschaut welche Destination interessant sein könnte und möchten gerne zum Lago Castel dell‘ Alpi (einem See).

Wir rechnen damit, eine Weile zu warten und sind deshalb ziemlich erstaunt, dass schon nach kurzer Zeit jemand stehen bleibt. Es ist eine Gruppe, die einen Workshop hier in der Gegend macht. So reime ich es mir jedenfalls zusammen; mein Englisch ist nämlich seit Australien eingerostet.

Als wir am See ankommen, verabschieden wir uns. Es hat wirklich Spaß gemacht mit den Leuten über unserer Reise zu reden, sich auszutauschen und auch etwas über ihre Arbeit zu erfahren.

Romantik pur!

Wir suchen nach einer passenden Stelle für ein Feuer und werden fündig. Neben einer Art Vereinshütte steht ein großer Behälter aus Eisen mit Asche drin. Wir sind uns sicher: der ist fürs Feuer machen! Also heißt es Brennholz suchen. Tobi und ich pflücken auch noch ein paar Brennnessel; Vitamine sind bekanntlich wichtig!

Kurzerhand später sitzen wir vor einer Schüssel Nudeln mit Brennnesseln. Ohne Gewürze (weil beim Start der Reise nicht daran gedacht) aber trotzdem jummy! Es ist schon verrückt: Hätte zu Hause jemand zu mir gesagt, ich muss das essen, hätte ich bestimmt abgelehnt.

Hier sieht man mich auf dem Dach der Hütte liegen. Ich genieße die letzten Sonnenstrahlen und die Ruhe. DIe Luft ist angenehm warm.
So herrlich diese Ruhe

Gegen Abend sind so gut wie alle Badegäste gegangen; die Ruhe ist himmlisch. Ich liege auf dem Dach der Hütte und blicke auf den See. Die langsam sinkende Sonne spiegelt sich mit der umliegenden Landschaft im Wasser. Es ist schon ein kleines bisschen romantisch. Ich könnte Ewigkeiten so liegen bleiben, aber wir müssen noch unser Schlafplatz einrichten.

Das Sportfeld neben dem Vereinshaus…

… ist mir schon tagsüber ins Auge gestochen. Im Torfeld machen wir es uns gemütlich.

Tobi und ich haben es uns im Torfeld mit unseren Schlafsäcken gemütlich gemacht.
Das Foto ist am darauffolgenden Morgen entstanden

Auf der anderen Seite des Sees scheint eine Party zu sein; die Musik hören wir bis hierher. Sobald wir schön eingekuschelt in unseren Schlafsäcken liegen, hören wir plötzlich Personen draußen vor dem Sportfeld.

Es sind zwei Jugendliche, die wohl vorhatten die Nacht lustvoll im Sportfeld zu verbringen. „Da drin sind zwei Personen!“, meinen die Jugendlichen erstaunt, sobald sie uns bemerken. Tobi und ich müssen ein bisschen schmunzeln. Uuupps, da haben wir wohl ihre Nacht versaut.

Nicht alles läuft immer wie geschmiert

Mit einer Obstkiste bewaffnet wollen wir trampen, um kostenlos zu reisen.

Barfuß und mit einer Obstkiste bewaffnet stehe ich mit Tobi am Straßenrand. Wir wollen nach Scarperia e San Piero, einer Ortschaft nahe Florenz. Erst später wird uns bewusst, dass scarpe “Schuhe“ auf Deutsch heißt. Kein Wunder, dass niemand angehalten hat: Die Destination wird für einige ziemlich verwirrend gewesen sein.

Wir entscheiden uns also auf die praktische Obstkiste (sie hat sogar Griffe!) als Schild zu verzichten und siehe da: Ein Mann nimmt uns in die nächstgelegene Ortschaft mit. Von dort dauert es eine Ewigkeit, bis uns jemand nach Montefredente bringt; eigentlich nur weitere 5km.

Dort haben wir in einem kleinen Tante-Emma-Laden nach etwas Essbarem gefragt, das nicht mehr verkauft werden kann. Die Verkäuferin ist total begeistert von uns und wir bekommen tatsächlich einen ganzen Laib Brot und ein bisschen Obst.

Mit dem hätten wir nicht gerechnet

Als wir die Straße entlang gehen, um einen geeigneten Platz zum trampen zu finden, ruft jemand: „Biscuits, biscuits!“ Neben uns hat wirklich ein Auto angehalten und die Fahrerin fragt ob wir Kekse möchten. Die Situation ist so surreal, dass wir perplex dastehen. Natürlich nehmen wir die Tüte an; wir können doch keine Kekse ablehnen!

Vorsichtig öffnen wir das Säckchen und uns lächeln 6 runde Kekse mit Glasur entgegen. Wir können unser Glück kaum fassen. Unser Nachtisch ist gesichert!

Gut Ding will Weile haben

Nach sehr sehr langem warten haltet ein uralter roter Fiat Panda. Rechts auf dem Beifahrersitz sitzt anscheinend die Mutter der Fahrerin; sie ist bestimmt schon über 70 Jahre alt. Deshalb habe ich schon fast ein schlechtes Gewissen, dass sie wegen uns aussteigen muss, damit wir auf die Rückbank krabbeln können.

Sehr ruckelig verläuft die Fahrt über die hügelige Landschaft der Emilia-Romagna. Die Aussicht ist wieder mal spektakulär. Das Auto auch. Aber in gegenteiliger Hinsicht: Bei jedem Mal den Gang wechseln, knirscht die Schaltung wie verrückt; so als würde das Auto in all seine Einzelteile fliegen. Doch irgendwie macht das das ganze wieder so einzigartig.

Schlussendlich landen wir in Castiglione dei Pepoli, einem richtig niedlichen Dörfchen mit toskanischem Flair (Jap, wir sind nur mehr 6km von toskanischem Boden entfernt!). Ich muss sagen: Heute war der verrückteste Tag seit Beginn der Reise.

WIE HAT DIR DER BEITRAG GEFALLEN?
[Abstimmungen: 1 Durchschnitt: 5]

Schreibe eine Antwort