Cimitero delle Fontanelle
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2. September: Vom Friedhof ins Krankenhaus in Neapel…Die Ironie des Tages

Da Tobi und ich zwar die Altstadt von Neapel total schön finden, aber ziemlich fertig von den ganzen Menschen und EindrĂŒcken sind, möchten wir heute Abend zu einem Park weiter außerhalb gehen.

Wir schnallen uns also die schweren Backpacks auf den RĂŒcken und brechen auf. Die Basilica Madre del Buon Consiglio, deren Kuppel wir bereits gestern bewundert haben, ist leider geschlossen. „Macht nichts; machen wir uns halt direkt auf den Weg zum Cimitero delle Fontanelle!“

Zwischen den Totenköpfen vom Cimitero delle Fontanelle

Der sagenumwobene Friedhof hat seinen Namen vom italienischen Wort „fontane“ (Quellen). Im 16. Jh war die Region nĂ€mlich noch von Wasser durchlaufen, das das Gestein ausgewaschen hat. Dadurch sollen die Tuffsteinhöhlen entstanden sein.

Weil frĂŒher mit den ganzen Toten der Platz beim Friedhof knapp war, wurden die Leichname oft wieder ausgegraben und in Höhlen wie dem Cimitero delle Fontanelle verfrachtet. SpĂ€ter, bei UnglĂŒcken wie der Pest, Hungersnöten, AusbrĂŒchen des Vesuvs, usw. soll der Friedhof schließlich zum Massengrab umfunktioniert worden sein.

Nachdem uns das der WĂ€chter am Eingang erzĂ€hlt hat, lĂ€uft mir ein Schauer ĂŒber den RĂŒcken. Mit GĂ€nsehaut an den Armen betrachte ich die vielen aufgestapelten SchĂ€del in den Höhlen. Jetzt sieht das Ganze ziemlich geordnet aus, aber ich mag mir nicht ausmalen, wie die Leute frĂŒher hier gelegen haben…

Irgendwie ist es faszinierend und schockierend zugleich, einen Rundgang zwischen den unzĂ€hligen Totenköpfen zu machen. Ich beginne zu zĂ€hlen, aber realisiere schnell: Bei dem insgesamt 3.000mÂČ großen Beinhaus wĂ€re ich wahrscheinlich morgen noch dabei…

Ab ins Krankenhaus!

Die Besichtigung des Friedhofs hat mir gefallen, aber genug Gruselfaktor beschert. Insgeheim bin ich deshalb froh, als wir den unheimlichen Ort wieder verlassen und mich mein juckender Ausschlag auf den FĂŒĂŸen ins Jetzt zurĂŒck katapultiert.

Schon gestern habe ich nach öffentlichen KrankenhĂ€usern gegoogelt, doch erst jetzt wird mir bewusst wie glĂŒcklich wir uns schĂ€tzen können, dass wir so eine Möglichkeit ĂŒberhaupt haben und nicht sofort aufgestapelt in einem Massengrab landen!

Weil der Ausschlag die letzten Tage immer schlimmer wurde und keine Besserung in Sicht ist, mache ich mich zusammen mit Tobi auf in die erste Hilfe. Was uns dort erwartet ist im Gegensatz zum Cimitero delle Fontanelle aber in einer anderen Weise skurril…

Überall wachen Polizisten; nicht nur am Eingang, sondern auch im Wartesaal. Ich darf in den Vorraum, wo mich ein Arzt kontrolliert und sagt, ich solle kurz warten. Zwischenzeitlich untersucht er eine andere Patientin; laut einem Polizisten solle ich wieder in den Wartesaal, doch ich lasse mich nicht wegschicken.

Also kommt die Empfangsdame und meint beim Anschauen meiner FĂŒĂŸe die richtige Prognose gefunden zu haben: Ich hĂ€tte anscheinend nur MĂŒckenstiche. Ich lasse mich natĂŒrlich nicht beirren; ich weiß ja was MĂŒckenstiche sind und wie sich diese anfĂŒhlen…!

Schließlich kommt wohl doch der Arzt von vorhin und begleitet mich schlurfend zu einem anderen Zimmer. Dort bekomme ich dann endlich von einem seiner Kollegen, der sich besser auszukennen scheint, was verschrieben.

Laut ihm kann es sich um keinen Virus handeln, weil ich dann Tobi mit hoher Wahrscheinlichkeit auch angesteckt hĂ€tte. Er stellt mir ein Rezept gegen Fußpilz aus; mit der Diagnose muss ich mich noch anfreunden xD Immerhin habe ich wieder die Hoffnung, dass das Jucken bald Vergangenheit ist 🙂

Fast hÀtten wir es nicht mehr geschafft

Nach diesem heillosen Durcheinander muss ich erstmal auf andere Gedanken kommen. Tobi und ich steuern den Palazzo Reale an; die darin befindliche Nationalbibliothek soll wunderschön sein. Wir haben GlĂŒck, denn genau heute ist kostenloser Besuchertag. Jippie!

Die Wegbeschreibung zur Bibliothek ist aber so verwirrend, dass Tobi und ich erfolgslos von einem FlĂŒgel zum nĂ€chsten hasten. Leider sind wir so schon ziemlich spĂ€t dran; warum muss der Weg dahin also zusĂ€tzlich so kompliziert sein?!

Die letzten 10 Minuten können wir uns dann doch freuen: Gold schimmernde, prunkvolle Schnörkel an der Decke wechseln sich mit Malereien und Verzierungen an der Wand ab. Ich bin beeindruckt von den kolossalen BĂŒcherregalen, die das Wissen von bestimmt einigen Jahrtausenden beherbergen.

Auch der Palazzo Reale an sich besticht mit seinem Dekor und den wuchtigen SĂ€ulen. Die bestimmende Farbe ist hier zwar eher weiß, aber gemischt mit dem Marmor schafft das eine kĂŒhle, zeitlose AtmosphĂ€re. Die prunkvollen Möbel stellen den einzigen Kontrast dar.

Wir probieren endlich Pizza von Neapel!

Ich glaube Grund fĂŒr unseren gigantischen Hunger ist das ganze Herumlaufen und der Stress im Krankenhaus. Heute brauchen wir uns aber keine Sorgen machen, ob wir was Essbares bekommen oder nicht. Es ist nĂ€mlich endlich soweit: Wir werden eine Pizza von Neapel probieren!

Die Freude steht uns ins Gesicht geschrieben, als Tobi und ich das Restaurant betreten. Es hat zwar lange gedauert bis wir uns entscheiden konnten, doch jetzt steht es fest: Wir holen uns zusammen eine MeeresfrĂŒchtepizza!

Alleine beim Gedanke daran lĂ€uft mir schon das Wasser im Mund zusammen. Der Pizzaduft im Restaurant verstĂ€rkt zusĂ€tzlich mein Kopfkino….
Eeendlich kommt der Kellner mit unserem Heiligtum ums Eck!🙏🍕

Als wir an der Strandpromenade ein freies PlĂ€tzchen gefunden haben, kann ich es kaum erwarten: Vorsichtig heben wir den Deckel des Kartons an, so als wĂ€re zerbrechliches Glas darin. Uns blickt eine erstaunlich kleine, aber herrlich duftende MeeresfrĂŒchtepizza entgegen.

Nach dem Krankenhaus Pizza in Neapel probieren

Mit Genuss machen Tobi und ich uns daran sie zu verköstigen; bei jedem Bissen verhalten wir uns wie Gourmets xD Leider ist die Pizza klein, aber um noch eine zu holen haben wir zu wenig Geld. Tja.
Auf alle FĂ€lle wird mir dieses Highlight in Erinnerung bleiben, auch wenn ich sagen muss, dass wir die beste Pizza woanders hatten.

Am liebsten wĂŒrde ich hier an der Promenade sitzen bleiben und dem sanften Rauschen des Meeres lauschen bis ich einschlafe. Doch die grĂ¶ĂŸte Anstrengung liegt ja leider noch vor uns: 2 Stunden Fußmarsch sollen es bis zum Park sein, den wir heute ansteuern!

Wir haben aber keine Drogen dabei!

Tobi und ich haben schon den ganzen Tag die RucksĂ€cke herumgetragen, deshalb hĂ€lt sich meine Begeisterung in Grenzen jetzt wieder mit dem Schwergewicht loszumarschieren. Ich stelle mich auf eine Stunde durchgehenden Fußmarsch und dann erst Pause ein, doch schon nach einem Kilometer werden wir aufgehalten: Drogenkontrolle!

An der Promenade wird nĂ€mlich gerade ein Festival abgehalten; unser Weg fĂŒhrt aber durch das GelĂ€nde. Tobi und ich denken uns nicht viel dabei, als wir am Eingang vorbei wollen. Die TĂŒrsteher sehen das aber anders: Sie mustern uns ganz verwirrt von oben bis unten und finden es wohl verdĂ€chtig, dass wir hier mit Backpacks auftauchen.

„Habt ihr Drogen dabei?“ Ich muss lachen: „Nein.“ Sie wissen anscheinend selbst nicht, wie sie unseren Fall behandeln sollen: „Ihr wisst aber schon, dass wir eure RucksĂ€cke kontrollieren mĂŒssen.“ Ich denke mir nur “Na dann viel Spaß dabei, bei dem ganzen Zeug, das wir mithaben xD“

Schlussendlich kommt eine andere TĂŒrsteherin dazu, die das ganze MissverstĂ€ndnis schließlich auflöst: Wir mĂŒssen gar nicht durchs GelĂ€nde! Es gibt einen Weg außenrum! Tobi und ich haben nĂ€mlich bis dato geglaubt die einzige Möglichkeit zum Park wĂ€re durch das Festival. An sich interessiert uns die Veranstaltung ja gar nicht…

Beim Weggehen mĂŒssen Tobi und ich schmunzeln: Da hĂ€tte die doch tatsĂ€chlich unseren Rucksack außeinandernehmen wollen! Als hĂ€tten wir nichts besseres auf dieser Reise zu tun als Drogen zu schmuggeln xD

Ich.kann.nicht.mehr.

Aus den 2 Stunden Fußmarsch sind es 3 geworden; endlich stehen wir vor dem Eingang des Parks. Ich bin fix und fertig; mittlerweile ist es kurz vor Mitternacht. Um 24 Uhr soll der Park hier schließen, also versuchen Tobi und ich noch schnell ein gutes Versteck zu finden.

Wir haben leider nicht damit gerechnet, dass es hier nicht wirklich GebĂŒsch gibt. Der Park ist ringförmig angelegt und durch die Beleuchtung sind alle Stellen gut einsehbar! Verdammt, was machen wir jetzt?!

Wir können unmöglich hier unter den Leuchten schlafen; da sieht uns noch jemand und wirft uns raus…
Nach fieberhaften Überlegen, kommt mir schließlich die Idee: Dort wo die Lampen stehen ist immer ein Teil Schatten und ein Teil Licht. Wenn wir uns richtig im Kernschatten positionieren, dĂŒrfte uns niemand vom Weg aus sehen.

Tobi und ich hocken uns hin und warten. Noch ein paar Minuten dann mĂŒssten die Eingangstore geschlossen werden. Hoffentlich kommt bis dahin kein WĂ€chter!

Oh Schreck! Genau in dem Moment, hören wir ein MotorengerĂ€usch: Der WĂ€chter macht seinen Kontrollgang. Bitte, bitte fahr weiter! Doch nichts da: Er hĂ€lt genau gegenĂŒber von uns; Mist! Hat er uns entdeckt?

Tobi und ich bangen kurz, dann sehen wir, wie er ein PĂ€rchen, das gerade noch eine Runde macht, von Weitem auffordert den Parkt zu verlassen. Gott sei Dank! Er hat schon mal nicht wegen uns angehalten!

Als er den Motor wieder startet, können wir dann endgĂŒltig aufatmen: FĂŒr heute Nacht ist der Schlafplatz mal gesichert!

Was fĂŒr ein turbulenter Tag!

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