Es geht ab nach Hause
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28.-30. Juli: Ist das Ziel ohne Geld zu reisen nun gescheitert?

In der Nacht hat es mĂ€chtig geregnet; zum GlĂŒck sind nur die Sachen um unseren Kopf herum nass und nicht das gesamte Equipment. Eigentlich haben Tobi und ich vereinbart, dass wir gemeinsam die 3 Stunden bis zum nĂ€chsten Bahnhof gehen und dass er mir dann dort seine Sachen gibt, die er nicht mehr braucht, damit ich sie mit nach Hause nehmen kann (was fĂŒr ein langer Satz xD)

Doch Tobi meint er bleibt noch hier; er möchte noch schlafen. Ich mache ihm klar, dass ich dann nicht zusÀtzlich auch noch sein Zeug 3 Stunden lang tragen kann. Aber seine Entscheidung steht; also muss ich mich wohl alleine aufmachen.

Nachdem ich ein StĂŒck gegangen bin, kommt eine Kreuzung. Weil ich nicht weiß wo abbiegen, schaue ich bei Google Maps nach. Auf der Karte sehe ich ganz in der NĂ€he ein blaues Symbol: Ist das ein Bahnhof?! Juhuu, der nĂ€chste Bahnhof ist gar nicht 3 Stunden entfernt! Es gibt einen hier bei Vetralla!

Ich ĂŒberlege mir kurz, zurĂŒckzugehen und Tobi’s Zeug zu holen, doch dann wĂŒrde ich ziemlich sicher den Zug verpassen. Also gehe ich weiter. Bei einem Obst- und GemĂŒsehĂ€ndler frage ich, ob er noch etwas von gestern ĂŒbrig hat. Der VerkĂ€ufer verneint, aber meint ich könne mir das aussuchen, was ich mag. Voll nett!

Auf nach Rom!

Vom Bahnhof brauche ich nur 10 Minuten bis Rom. Als ich den Schaffner frage, wie ich zu Fuß von dieser Haltestelle zu der im Zentrum komme, schaut dieser mich ganz perplex an: „Aber die ist ziemlich weit weg. Nimm doch die Metro.“

Tja, ich kann ihm schlecht sagen dass ich bis hierher ohne Geld gereist bin xD Also gilt: Selbst ist die Frau und Google Maps mein treuer Berater. Ich muss lachen als ich die Route berechnen lasse und sehe, dass ich dafĂŒr bloß 45Minuten brauchen werde. Ich glaube der Schaffner kann nicht erahnen wieviele Kilometer ich die letzten Wochen gegangen bin und dass diese Strecke nichts dagegen ist 🙂

Guter Dinge mache ich mich auf den Weg. Es fĂŒhlt sich aber schon komisch an als Frau komplett alleine umherzuwandern…

Ist der Vorsatz ohne Geld zu reisen, nun offiziell fehlgeschlagen?

Als ich bei der Haltestelle im Zentrum ankomme, suche ich nach meiner Kreditkarte, denn ich brauche ein Ticket fĂŒr den Schnellzug. Es fĂŒhlt sich so seltsam an wieder Geld zu verwenden; fast so als dĂŒrfte ich es nicht.

“Ist hiermit mein Vorhaben ohne Geld zu reisen gescheitert?“ frage ich mich. Ich mache mir klar: “Wtf Bettina, deine Oma ist gestorben. Vorsatz hin oder her, es passieren manchmal Dinge, die man nicht kontrollieren oder Ă€ndern kann.“

Wie bitte: 150 Minuten VerspÀtung?!

Die Zugfahrt verlĂ€uft recht ruhig. Ab und zu kommt jemand vom Personal und fragt ob ich etwas essen oder trinken möchte. In Bologna muss ich dann umsteigen. Als ich auf die Anzeigetafeln schaue, bekomme ich die Krise: Die meisten ZĂŒge haben 90-150 Minuten (!!!) VerspĂ€tung oder fallen aus… Uff!

Plötzlich höre ich per Durchsage, dass mein Zug wohl doch abfahren soll. So schnell ich kann, laufe ich zum vorgegebenen Gleis; zum GlĂŒck schaffe ich es noch rechtzeitig. Keine Ahnung ob das der Zug ist von vor 2 Stunden; ich bin einfach nur froh als wir abfahren.

Meine Mutter erkennt mich nicht mehr xD

Sobald ich auf der Höhe von Trentino bin, steigt langsam die Aufregung. Das Landschaftsbild gleicht ziemlich dem von SĂŒdtirol; es fĂŒhlt sich so an als wĂ€re ich jetzt schon zu Hause. Es dauert aber weitere 2 Stunden bis der Zug dann endlich im Bahnhof von Brixen einfĂ€hrt. Mein Herz pocht, ich steige aus, blicke mich um wo meine Mutter ist.

Am anderen Bahnsteig sehe ich sie; sie schaut umher und lacht als ich ihr winke. Bald hÀtte sie mich nicht mehr wiedererkannt, meint sie. Sie hat wohl immer noch das Bild von mir mit Pferdeschwanz im Kopf xD

Ich freue mich sie wiederzusehen und mir wird bewusst wie sehr ich es vermisst habe unser besonderes Dialekt zu gebrauchen. Es ist schon was anderes von Menschen derselben Kultur und Sprache umgeben zu sein…

29.-30. Juli: Was? Es geht schon wieder los?

Meine Verwandten mĂŒssen tatsĂ€chlich 2x hinschauen, wer ich bin xD Auch sie wiederzusehen freut mich, auch wenn die Stimmung den UmstĂ€nden entsprechend gedrĂŒckt ist.

Es scheint fĂŒr die meisten nicht so gut nachvollziehbar zu sein, warum ich diese Reise mache. Am öftesten taucht nĂ€mlich die Frage auf, warum ich ohne Geld reise, warum ich mir das antue. Meine ErklĂ€rungsversuche, dass ich so besser die Menschen und Kultur kennenlerne, weil ich mit den Einheimischen reden muss, schaffen ein bisschen mehr VerstĂ€ndnis.

Als ich anfange von der Reise zu erzĂ€hlen, merke ich wie sehr ich noch fĂŒr dieses Abenteuer brenne und beschließe bereits am Mittwoch, den 31. Juli nach Rom zu fahren. Auch wenn ich sagen muss: Die paar Tage ohne StechmĂŒcken und mit einer weichen Matratze waren schon angenehm.

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