Die Brücke wirkt wie in die Landschaft integriert
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18./19. Juli: Wasserfasten während dem Pilgern. Ob das gut geht?

Tobi hat beschlossen eine Woche lang Wasserfasten auszuprobieren, also nichts anderes als Wasser zu sich zu nehmen. Ich habe diese Erfahrung bereits in Australien gemacht und bin nicht scharf darauf sie zu wiederholen. Deshalb esse ich zum Frühstück alleine die Ringlo, während Tobi fleißig Wasser trinkt.

Online habe ich eine Seite über den Streckenverlauf des Frankenwegs (Via Francigena) gefunden. Die dort angeführten Etappenziele nehmen wir als Anhaltspunkt. Als nächste Etappe ist San Quirico d’Orcia angeführt.

Tobi fühlt sich ziemlich fit; mir macht die Hitze ziemlich zu schaffen. Der anfangs hügelige Weg führt schließlich steil hinauf; bei der Hälfte der Steigung wird mir schlecht. Mühsam schleppe ich mich (und den Rucksack!) noch ein Stückchen weiter nach oben.

Ziel ist ein scheinbar verlassenes Haus, das durch das Dickicht leuchtet. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen heute noch die restlichen Kilometer bis nach San Quirico zu laufen.

Anders als erwartet…

…werden wir von einem riesigen rostigen Eisentor gebremst. Uns fällt sofort auf, wie verwildert das Grundstück ist und dass beim Dach des Hauses einige Ziegel fehlen. Deshalb schließen wir aus hier auf Menschen zu treffen und klettern über das Tor.

Als wir uns endlich auf der anderen Seite befinden, denke ich der schwierigste Part wäre nun geschafft. Doch der Weg verläuft durch dichtes Gebüsch und wird durch die Dornenbüsche und Brombeerhecken zu einem regelrechten Abenteuer.

Dass uns heute hier jemand sieht, halte ich mittlerweile für unmöglich. Und doch überkommt mich eine leichte Panik sobald ich Feuer mache. Es ist richtig komisch neben Tobi meine Nudeln zu essen, während er nur Wasser trinkt. Dass Essen auch eine gemeinschaftliche Sache ist, war mir bewusst. Aber erst jetzt spüre ich: Alleine zu essen macht irgendwie nur halb so viel Spaß.

Jemand tapst auf dem Dach herum

Ich habe sehr gut geschlafen, Tobi weniger. Dadurch dass er nichts gegessen hat, ist er anscheinend lange wach gewesen. Er erzählt, dass wohl ein Tier auf dem Dach war, weil er Ziegel runterfallen gehört hat. Zum Glück hatte ich Ohrstöpsel drin; ich glaube ich hätte mich sonst so erschreckt, dass ich noch in der Nacht das Lager abgepackt hätte xD

Um zurück auf den Pilgerweg zu kommen, müssen wir wieder durch das Dickicht und über den Zaun. Dieses Mal klappt das nicht ganz so gut. Beim Drübersteigen reise ich mir ein Loch ins Shirt. Mist!
Ach, waas solls; Nähzeug habe ich ja mit. So findet es wenigstens Verwendung.

Ich werde zum Gourmet

In San Quirico dürfen wir bei einem Gartenschlauch das Wasser auffüllen und bekommen Brot bei einem Bäcker. Bei einem Gemüsehändler hole ich mir für ein paar Cent eine Tomate. Was soll ich sagen: Wenn man tagelang nur Brot mit Kräutern isst, ist die Tomate wie die Gourmetversion xD

Ich bin mir nicht sicher ob Tobi durch das Wasserfasten überhaupt die schönen Pinien mitbekommen hat
Dieses Bild ist auf dem Weg nach Bagno Vignoni entstanden

Zu Mittag erreichen wir Bagno Vignoni, einer sehr lieblichen Ortschaft. Im Zentrum (falls man bei 30 Einwohnern überhaupt von einem sprechen kann) befindet sich ein großes Wasserbecken. Am liebsten würden Tobi und ich da rein springen, doch es herrscht strenges Schwimmverbot!

Nachdem wir 3x dieselbe Runde gelaufen sind, haben wir immer noch nicht herausgefunden, wo der Pilgerweg weitergeht. Also entscheiden wir uns heute hier zu bleiben. Unter anderem aber auch, weil Tobi’s Fastenkur seine Auswirkungen zeigt: Er ist müde und ziemlich schwach.

Wohin die Treppen wohl führen?

Immer wieder sehen wir Leute eine Treppe nahe dem Zentrum heraufgehen. Meine Neugier siegt und weil Tobi nicht mitkommen will, gehe ich alleine erkunden, was in den Untiefen von Bagno Vignoni liegt.

Stufe für Stufe geht’s bergab; bestimmt 10 Minuten dauert der Prozess. Als ich unten ankomme, kann ich’s kaum glauben: Vor mir ist ein Thermalbad! Ich freue mich wie Bolle!
Weder Tobi, noch ich haben uns Gedanken gemacht, warum die Ortschaft Bagno Vignoni heißt. Jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Bagno heißt übersetzt Thermalbad!

Sofort stelle ich den Rucksack ab, ziehe mir den Bikini an und springe ins Wasser. Durch das blau glitzernde Wasser habe ich vorher nicht gesehen, dass der Boden mit Schlamm bedeckt ist. Ich fühle mich wie in einem SPA-Bereich in einem Hotel.

Sobald ich wieder bei meinem Rucksack bin, rufe ich Tobi an, doch der geht nicht ran. Also genieße ich noch die letzten Sonnenstrahlen. Beim Hochgehen kommt er mir dann entgegen; gemeinsam suchen wir unseren Schlafplatz.

Schon wieder feiern gehen

Feiern gehen im Cowboystyle

Als das Lager steht, machen wir uns auf zum Beer-Festival, das heute hier abeghalten wird. Ok Festival-Feeling kommt nicht auf; es ist eher ein Straßenfest. Der Cowboyhut, den wir auf dem Weg hierher gefunden haben, gibt meinem Outfit den letzten Schliff xD

Wir schlendern durch die Gassen; dort wo die eigentliche Feier ist, gibt es Verschiedenes zum Essen. Wir sind ja ohne Geld unterwegs, also fällt das schon mal weg für uns. Ich kann trotzdem ein bisschen was von der heiteren Stimmung mitnehmen. Sobald ich im Schlafsack eingekuschelt liege, schlafe ich nämlich beschwingt ein.

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