Ziegenbock im Cavagrande
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31. Oktober: Na du? Wem man hier im Cavagrande so alles trifft…

„Komm lass schnell machen, bevor sich der nĂ€chste Wolkenbruch ĂŒber unsere Köpfe ergießt!“, drĂ€nge ich Tobi. Eigentlich wollten wir unsere Abreise gemĂŒtlich angehen; jetzt herrscht aber pures Chaos: Die Heringe liegen auf der einen Seite, die Zeltplane auf der anderen, mittendrin unsere erst halb gepackten RucksĂ€cke.

Damit sich das Ă€ndert, stopfe ich hastig meinen Schlafsack in die dazugehörige SchutzhĂŒlle; Tobi rollt wĂ€hrenddessen das Zelt zusammen. Mit einem kurzen Blick nach oben will ich mich versichern, dass wir noch ein wenig Spielraum haben. Die dunklen Wolken sehen allerdings nicht gut aus…

Also heißt es nochmals einen Zahn zulegen-Wie eine Wilde ramme ich meine verbliebenen Sachen in den Rucksack. WĂ€re Guinness World Records anwesend, wĂŒrde ich einen Eintrag bekommen; ganz bestimmt!


Irgendwann haben Tobi und ich es dann aber geschafft: Mit einer Regenjacke bewaffnet und den Backpacks auf dem RĂŒcken können wir nun die RĂŒckkehr antreten. Endlich!

Doch schon nach wenigen Schritten merken Tobi und ich, dass das eine echte Challenge ist! Durch den Regen von heute Nacht ist nĂ€mlich alles nass; die Steine auf dem Weg sind extrem rutschig. Besonders ich, mit meinen flachen Tretern, muss höllisch aufpassen wo ich meine FĂŒĂŸe platziere. Eine Verstauchung wĂ€re nĂ€mlich das Letzte, das ich gebrauchen könnte!

Mit nach unten gehefteten Blick und voller Konzentration steige ich also den Weg empor. Es fĂŒhlt sich so an als wĂ€ren Tobi und ich erst gestern diesen beschwerlichen Weg heruntergegangen, in Wahrheit war das aber schon 4 Tage her!

WĂ€hrend ich noch darĂŒber nachdenke wie wahnsinnig schnell doch die Zeit vergeht, bleibt Tobi vor mir abrupt stehen. Gerade noch im letzten Moment stoppe auch ich; verĂ€rgert hebe ich meinen Kopf, doch dann muss ich lachen: Da schaut mich doch tatsĂ€chlich ein Ziegenbock an! Mit einem Blick als wĂŒrde er sagen: „Was macht denn ihr hier?“

Wir fliehen!

Am Eingang vom Cavagrande
Hier bin ich noch ganz stolz es geschafft zu haben und rechne nicht, dass gleich Weltuntergangsstimmung herrscht…

Nachdem Tobi und ich uns endlich an dem Tier vorbei getraut haben, ist es zum GlĂŒck nicht mehr weit bis zum Ausgang des Parks. Als wir dort ankommen, dauert es nĂ€mlich keine 2 Minuten und aus den kleinen Regentropfen wird ein gewaltiges WĂ€rmegewitter.

Schnell flĂŒchten Tobi und ich in das schmale HolzhĂ€uschen, das ein bisschen aussieht wie ein ehemaliger Ticketschalter. Doch sogar hier spĂŒren wir die fetten Tropfen, die mit voller Wucht gegen die löchrige Holzwand klatschen. Hoffentlich werden unsere RucksĂ€cke nicht nass!

Besorgt versuchen wir eine besser geschĂŒtzte Stelle zu finden, bis wie aus dem Nichts ein helles Licht die Wolkendecke durchschneidet, dicht gefolgt von einem unmittelbaren Knall. Das laute „Kawumms!“ erschreckt Tobi und mich so sehr, dass wir uns geschockt anschauen.

Entsetzt bringt er seine Panik zum Ausdruck: „Alter! Das war ja mal super nah! Hast du auch die Vibration im Boden gespĂŒrt?!“ „Ja hab‘ ich. Genau deswegen wĂŒrde ich auch schleunigst versuchen von hier wegzukommen, denn Gewitter und irgendwo am höchsten Punkt zu sein ist nicht gerade eine gute Kombi…“

Schnell streifen wir den Regenschutz ĂŒber unsere RucksĂ€cke, ziehen die Kapuzen ins Gesicht und starten los Richtung Cassibile. Bereits nach den ersten Metern merke ich, wie schlecht meine Jacke den Regen abhĂ€lt; bis Tobi und ich am Ziel sind, werde ich wohl bis auf die Haut durchnĂ€sst sein.

Aber was soll’s. Ändern kann ich’s sowieso nicht…

Schicksal? Zufall?

TatsĂ€chlich sieht 10 Minuten die Situation ganz anders aus: Tobi und ich hocken bei einer Tasse Tee im Haus von Agata und Luigi. Die beiden haben uns nĂ€mlich auf dem Weg aufgegabelt und zu sich eingeladen. Da haben Tobi und ich natĂŒrlich nicht nein gesagt 🙂

Was aber noch viel lustiger ist: Wir haben schon vor dem Abenteuer im Nationalpark Ausschau nach einem GrundstĂŒck gehalten, auf dem wir im Winter fĂŒr Kost und Logis arbeiten können. Jetzt ist es so, dass Agata und Luigi Leute kennen, die genau das anbieten!

Zufall? Ich glaube nicht!

WĂ€hrend wir also in der KĂŒche mit Agata quatschen, ruft Luigi all seine Bekannten an, um nach einen Platz fĂŒr uns zu fragen. Am Beginn sieht es gar nicht mal so gut aus; es scheint als wĂŒrden die Meisten Arbeiter zwischen MĂ€rz und September suchen.

Schlussendlich kann Luigi uns jedoch einen seiner Freunde vermitteln, der uns wohl schon jetzt gebrauchen könnte. Da dieser jedoch jetzt noch nichts Genaues weiß, tauschen wir Telefonnummer aus, sodass er uns die nĂ€chsten Tage Bescheid geben kann. FĂŒr den Anfang hört sich das jedenfalls schon mal gut an!

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