Scilla
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27. September: Mein BauchgefĂŒhl sagt: Da ist etwas faul!

Boa heute in der Nacht hat es geregnet als ob es kein Morgen mehr gĂ€be! Es hat wohl nicht nur unser gesamtes Equipment erwischt, wie Tobi und ich heute morgen noch geglaubt haben. Auch die Feldwege nach Rosarno sind total ĂŒberschwemmt.

Teilweise mĂŒssen wir durch tiefe PfĂŒtzen waten; tschĂŒss saubere Schuhe.
Immer wieder geht mir der Spruch meiner Mutter durch den Kopf: „Was dich nicht umbringt, macht dich stĂ€rker.“ Die nassen FĂŒĂŸe spĂŒre ich aber trotzdem noch.

„Lass uns jetzt nach links auf diesen kleinen Weg abbiegen; laut Google Maps ist das eine AbkĂŒrzung.“
Noch weiß ich nicht, zu was ich da gerade geraten habe…

Das war wohl nichts

Nach einer halben Stunde sich durch den Matsch kĂ€mpfen, muss ich der RealitĂ€t ins Auge blicken: Hier geht es nicht weiter. Tobi und ich stehen nĂ€mlich vor einem verschlossenen Tor, auf dessen Schild in breiten Lettern geschrieben steht: „Zutritt verboten. PrivatgelĂ€nde. VideoĂŒberwacht.“

„Ne, das gibt’s doch nicht! Als ob ich jetzt wieder zurĂŒcklaufe“, sage ich zu Tobi. Seinem Blick nach zu urteilen hat er genauso wenig Lust wie ich.
In meinem Kopf gehe ich alle möglichen Wege durch: An der Seite des Zaunes vorbeigehen können wir vergessen, weil da wĂŒrden wir nach spĂ€testens 3 Schritten bis zum Hals im Matsch stehen. ZurĂŒckzugehen habe ich auch kein Bock, also bleibt nur noch drĂŒberklettern ĂŒbrig.

Können wir das wirklich wagen? Nicht, dass wir einen Alarm auslösen…

Rettung naht

Zum GlĂŒck lassen wir unseren Blick nochmals umherschweifen, fĂŒr den Fall, dass es nicht doch noch eine andere Lösung gibt. Und tatsĂ€chlich erblicken wir rechts von uns 3 Arbeiter, die wohl zu der Anlage vor uns gehören.

Ihr belustigter Gesichtsausdruck verrĂ€t, dass sie uns schon die ganze Zeit beobachtet haben. Als einer von ihnen schließlich das Tor öffnet, bin ich erleichtert: Fast wĂ€re die AbkĂŒrzung zur Umleitung geworden; aber zum GlĂŒck nur fast. Google Maps weiß halt doch nicht alles.

Peinlich, peinlich!

In Rosarno angekommen, machen Tobi und ich uns sofort auf, was zum Essen zu besorgen. Und schon bei der ersten BĂ€ckerei fruchten unsere Versuche: Ein Einheimischer bezahlt uns ein belegtes Brot. Lecker!

Da wir aber noch was fĂŒr den Abend brauchen, beschließen wir bei einer 2. BĂ€ckerei zu fragen. Doch wie es so kommen muss, betritt gerade in dem Moment als wir die VerkĂ€uferin fragen, der Typ von vorhin den Laden!

NatĂŒrlich erkennt er uns sofort wieder und fragt, was wir mit den von ihnen bezahlten Broten gemacht haben. Mir fĂ€llt auf die Schnelle nichts besseres ein als: „Die haben wir schon verspeist.“ Wir können ja schlecht vor der VerkĂ€uferin sagen, dass wir schon was bekommen haben. Doch entweder lĂ€sst sich diese nichts anmerken oder sie hat es -wie ich hoffe- nicht kapiert.

Das Ganze ist mir sooooo unangenehm, dass ich froh bin, sobald Tobi und ich wieder aus dem GeschĂ€ft können. Schnell zum Zug und weiter geht’s: Hier sieht mich keiner mehr…

Irgendwas stimmt hier nicht…

Ich weiß gar nicht wie die Ortschaft hier heißt; Tobi und ich haben einfach mal beschlossen hier Halt zu machen. Auf einer Wiese breiten wir unsere Matten aus, um ein wenig die Sonne zu genießen.

Anscheinend haben wir aber keinen ruhigen Platz gewĂ€hlt, weil immer wieder Menschen an uns vorbeilaufen. Ich weiß nicht, ob es an den Blicken liegt, die sie uns zuwerfen oder an der fremden Sprache, in der sie scheinbar ĂŒber Tobi und mich sprechen: Die ganze Situation sorgt bei mir fĂŒr KEIN gutes BauchgefĂŒhl…

Noch skurriler wird es, als einer von ihnen auf uns zukommt. Der Àltere Mann setzt sich einfach neben uns und fÀngt an zu labern. Er macht keine Anstalten zu gehen, weshalb wir ihn dazu bitten.

Doch nichts da: Weiterhin beklagt er sich, dass es hier keine Arbeit gibt, die „Schwarzen“ ihm sie weggenommen hĂ€tten, er obdachlos ist und nur von seiner Freundin was zu essen bekommt. Irgendwie wissen Tobi und ich nicht was er möchte: Aufmerksamkeit, Mitleid, Geld?

Der Typ fragt uns schließlich nach unserer Handynummer, damit wir ihm schreiben könnten, falls wir einen Job fĂŒr ihn hĂ€tten. Als er das sagt, staune ich nicht schlecht…Wie stellt er sich das denn vor: Wir kehren zurĂŒck zu uns nach Hause, horchen uns um und er wĂŒrde dann hier alles stehen und liegen lassen?

Ich habe das GefĂŒhl, dass an der ganzen Sache irgendetwas faul ist und mache Tobi klar, dass ich hier auf keinen Fall schlafen möchte. Also packen wir kurzerhand unsere Sachen, verabschieden uns noch freundlichkeitshalber von dem Typen und gehen wieder zum Bahnhof.

Auf zum nÀchsten Ort!

WOW Scilla!

Wie du bestimmt bereits weißt, verfolgen Tobi und ich keinen genauen Plan auf dieser Reise. Demnach wissen wir auch jetzt noch nicht, wohin wir gleich fahren werden. Als ich auf dem Fahrplan die Namen der Haltestellen lese, fĂ€llt mir aber eine ganz besonders auf: Scilla.

Ich erinnere mich, wie oft beim Trampen der Name dieser Ortschaft gefallen ist. Glauben wir den Empfehlungen, scheint sie echt beliebt zu sein. Laut den Leuten sollten wir also unbedingt dort Halt machen, andernfalls verpassen wir was.

Sonnenuntergang Scilla
Jetzt auf dem Kreuzfahrtschiff zu sein wÀre auch nicht schlecht, oder was sagst du?

Als Tobi und ich den Bahnhof verlassen, bin ich richtig gespannt was uns erwartet. Bereits die Farben am Himmel verraten: Scilla möchte sich von seiner schönsten Seite prÀsentieren.
Was fĂŒr ein GlĂŒck, dass wir gerade jetzt angekommen sind! Ein paar Minuten spĂ€ter und Tobi und ich hĂ€tten den Sonnenuntergang nur mehr erahnen können.

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