Weil wir das Tarp nicht aufgespannt haben, müssen wir alles auf dem Paracord trocknen lassen. Unter dem Mückennetz bin ich immerhin sicher vor Stichen
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Tag 2+3-Wir haben mächtig Hunger!

Oje; das haben wir nicht erwartet…

Kaum aufgewacht, merken wir: alles ist feucht. Muss wohl doch ein bisschen mehr geregnet haben als nur ein paar Tropfen. Na dann ade mit dem Vorsatz um 7 Uhr zu starten, damit wir nicht bei 40 ° wandern müssen.

Uns bleibt nichts anderes übrig als das Paracord aufzuspannen und alles trocknen zu lassen. Erfreulicherweise haben wir bereits gestern unser Frühstück gesichert: Eine Tasche voll mit Aprikosen und Ringlo. Also eine Sorge weniger.

Um 8 Uhr können wir dann endlich starten. Zum Glück verläuft der Pilgerweg durch den kühlen Wald. Nach einigen Kilometern entscheiden wir uns Rast zu machen. Doch die angenehme, erfrischende Waldluft gefällt nicht nur uns. Keine 2 Minuten später und wir haben das Mückennetz aufgespannt, weil die Biester keine Skrupel vor uns haben (oder besser gesagt vor mir).

Die erste Begegnung mit einem Gleichgesinnten

Nicht lange und wir sehen einen Pilger den Weg entlang kommen. Ein Lachen kann er sich nicht verkneifen, sobald er unser Netz sieht. Er erzählt, dass er von Prag zu Fuß bis ganz hierher gewandert ist! Ich kann es mir kaum vorstellen mit so einem schweren Rucksack so viele Kilometer zu laufen. Ist schon verrückt…

Ich hätte den Rucksack ja am liebsten schon nach einer Stunde Fußmarsch liegen gelassen. Ich hoffe das ändert sich im Laufe der Reise noch.

Dieser Ausblick haut mich um

Was mich aber total beeindruckt, ist die wunderschöne Landschaft. Die malerischen Hügel bestechen mit ihren gelben Getreidefeldern, grünen Wiesen und der mediterranen Buschlandschaft. Mein Blick schweift immer wieder über dieses bezaubernde Meer aus Farben.

Die malerischen Hügel mit Getreidefeldern, Wiesen und mediterranen Buschlandschaft
Diese Aussicht…Ein Wahnsinn!

Hier und da sieht man auf einem Hügel ein Dorf, dazwischen tiefe Schluchten; teils mit Bäumen bewachsen. Aber lange hält das schwärmen nicht an; von meinen Füßen werde ich sofort in die Realität zurück katapultiert. Die Schuhe drücken unangenehm; meine Befürchtung bestätigt sich: Ich bekomme Blasen 🙁

Im Privatgrundstück schlafen?

Zum Glück dauert es nicht lange bis wir unsere Schlafstätte finden. Die Wasserstelle unmittelbar am Weg ist viel zu verlockend, um nicht hier das Lager aufzustellen. Direkt daneben grenzt ein Grundstück an, das perfekt für unsere Zwecke geeignet zu sein scheint. Es ist zwar nicht klar ersichtlich, ob es Privatbesitz ist, aber wir denken uns: „Für eine Nacht wird schon niemand was sagen.“ Obwohl uns schon ein bisschen mulmig ist, im Ungewissen zu sein, ob uns jemand entdecken wird.

Unser übriger Proviant besteht aus ein paar getrockneten Apfelringen und Studentenfutter; die Kirschen haben wir schon im Zug nach Bologna aufgegessen. Eigentlich wollten wir ja gar nichts an Essen mitnehmen, aber auch mit Tobi’s Wildkräuterbuch können wir nichts essbares finden. Deshalb bin ich mehr als froh, dass meine Mutter darauf bestanden hat mir was zum Futtern mitzugeben.

An der Wasserstelle waschen wir uns; die vorbeikommenden Pilger schauen nicht schlecht xD Den ganzen Nachmittag relaxen und quatschen wir, bis es schließlich dunkel wird. Good night!

Heute schlafen wir auf einem Grundstück mitten in der Natur. Wenn man kostenlos reist ist das Tarp der beste Begleiter
In der Natur schlafen-Dieses Mal aber mit Tarp xD

Schon der 3.te Tag! Karma…

Boa, bereits beim Erwachen quält mich ein gigantischer Hunger. Wir packen alles zusammen und starten los. Doch dieses Mal fühlen wir uns richtig schlapp. Wir haben ja auch die letzten zwei Tage zusammen weniger gegessen als normalerweise einer alleine an einem Tag verspeist.

Deshalb leuchten unsere Augen voller Freude als wir am Wegesrand Bienenkästen sehen. „Boa, Honig!“ Tobi meint er hat eh schon Bienen gehalten und weiß auf was er achten muss. Also geht er kurzerhand hin, öffnet einer der Kästen und…

…Zack, eine ist gerade auf seinen Finger zugesteuert. Die Bienen sind natürlich nicht so blöd und haben erkannt, dass wir nicht die Halter von ihnen sind xD So viel Energie haben wir noch, dass wir schnell flüchten können. Wir sind uns einig: Honig stehlen wir nicht mehr!

Also geht’s weiter. Unser Körper signalisiert uns immer deutlicher „Esst was!“ Und wieder ist es ein Aprikosenbaum, der uns rettet. Nach dem bitter notwendigen Energieschub ist der ärgste Hunger weg. Erst jetzt merke ich wie sehr die Füße schmerzen. 2 fette Blasen auf dem einen Fuß und eine nicht weniger fette auf dem anderen grinsen mich an.

Will ich mir das weiter antun?

Mit Tobi’s Badesandalen hoffe ich die Schmerzen ein bisschen zu lindern. Doch schon nach wenigen Kilometer merke ich, wie sich auch eine Blase oben am Fuß bildet, wo der Riemen draufdrückt. Wie soll ich so weiterlaufen? Ohne gesunden Füße bin ich verloren…

Das Trinkwasser ist auch alle, also muss ich mit zusammengebissenen Zähnen weiterlaufen. Sobald wir das erste Haus sehen, klingeln wir sofort: „Buongiorno, scusi, lei potrebbe riempire l’acqua per favore? (Guten Tag, könnten Sie uns bitte das Wasser auffüllen?)“, fragen wir voller Hoffnung. Die ältere Frau nimmt tatsächlich unsere Flaschen mit ins Haus und bringt sie aufgefüllt zurück. Als sie sieht, wie dankbar wir dafür sind, freut auch sie sich uns helfen gekonnt zu haben.

Barfuß gehe ich dann schlussendlich noch die letzten Kilometer bis zur Stadt. Dort kaufen wir uns mit 2,63€ (das Kleingeld das ich noch zu Hause rumliegen hatte und dann doch in den Rucksack gepackt habe) 2 Dosen Bohnen und eine Packung Nudeln.

Wir beschließen ein paar Leute auf der Straße von unserer “Mission“ zu erzählen und sie zu fragen ob sie vielleicht ein paar Münzen übrig haben. Wir können es fast nicht glauben, als eine ältere Dame uns 10€ gibt! Zehn Euro! Sie findet unser Vorhaben wohl ziemlich mutig. „Hauptsache ihr kauft damit keine Drogen“, meint sie.

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