zu hause bei einem Obdachlosen
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9. Oktober: Zu Hause bei einem Obdachlosen-Geht das ĂŒberhaupt?

Neuer Ort, neues GlĂŒck: Nachdem es letzte Woche ja fast jeden Tag geregnet hat, haben Tobi und ich gehofft ein Ortswechsel wĂŒrde VerĂ€nderung bringen.
Doch nichts da: Auch hier in Furci Siculo bleiben wir nicht vom Regen verschont.

Wir können sogar sagen wir haben außerhalb des Parks geschlafen xD

WÀhrend in der Nacht noch die Plane Abhilfe verschafft hat, können wir jetzt nicht recht viel mehr tun als die Kapuzen unserer Regenjacken tief ins Gesicht zu ziehen.

Mutig machen wir uns auf dem Weg zu einer BÀckerei; anscheinend erwecken wir aber eher Mitleid: WÀhrend wir so auf dem Gehsteig dahin waten, hÀlt uns plötzlich jemand einen Regenschirm entgegen!

Ganz perplex wandert mein Blick nach links zu dem Mann, der uns wohl schon von Weitem kommen sehen hat. „Den könnt ihr haben, wenn ihr möchtet.“
Irgendwie ist die Situation fĂŒr mich noch nicht begreifbar: „ÄÀÀhm, nein danke. Wir haben bereits so viel GepĂ€ck auf dem RĂŒcken. Aber danke trotzdem.“

Der Typ lĂ€sst nicht locker: „Also sagt mal! Ihr könnt doch nicht weiterhin so -sein Blick wandert von unseren Köpfen bis zu den FĂŒĂŸen- draußen im Regen herumlaufen. Wenn ihr den Schirm nicht haben wollt, dann kommt doch wenigstens rein ins Trockene.“

Bestimmt hĂ€tte ich vor unserer Reise nie so ein Angebot angenommen, weil in meinem Kopf immer die Stimme meiner Mutter war: „Gehe zu keinen fremden Leuten!“ Doch jetzt, nach mehr als 3 Monaten auf dieser Reise, haben Tobi und ich schon so schrĂ€ge Situationen und Menschen erlebt, dass wir keine Angst mehr haben die Einladung anzunehmen.

Zu Hause bei einem Obdachlosen

Der Typ fĂŒhrt uns zu einer Art Unterschlupf; sobald ich seine Behausung sehe, wird mir klar: Wir sind bei einem Obdachlosen gelandet.

Obwohl: Kann ich das so sagen? Eigentlich dĂŒrfte ein Obdachloser ja kein Obdach haben, oder?
WĂ€hrend ich noch ĂŒber diese ein wenig philosophische Frage grĂŒble, ist Tobi schon lĂ€ngst im GesprĂ€ch mit dem Mann verwickelt.

Hassan kommt ursprĂŒnglich von Marokko, lebt in dieser Behausung aber schon ganze 20 Jahre! Sein Freund hat ihm sogar angeboten bei ihm zu wohnen, doch er mag wohl sein Leben so wie es ist: „Wisst ihr; Freiheit ist mir das Wichtigste.“

„Da haben wir schon mal was gemeinsam“, erwidere ich nur schmunzelnd.
Freiheit ist aber logischerweise beliebig interpretierbar. Ich könnte mir beispielsweise nicht vorstellen so wie Hassan zu leben: In jeder Ecke liegen Klamotten, mittendrin schlÀft seine Katze, die Möbel sind vergilbt und das Bett ist wegen dem ganzen Chaos gar nicht mehr auszumachen.

Trotzdem muss ich ehrlich zugeben: Hier ist es sauberer als ich es im ersten Moment geglaubt habe. Ich meine nicht im Vergleich zu einer Wohnung, sondern zu dem Bild, das ich von Obdachlosen im Kopf habe. #Vorurteile

Den ganzen Tag nur Wein?!

wir lernen Arabisch zu Hause bei einem Obdachlosen
Eigentlich könnte er einfach irgendwas schreiben. Vertrauen wir mal darauf, dass es unsere Namen auf Arabisch sind

Nach einer hitzigen Diskussion, ob Frauen noch weiblich seien wenn sie einen Buzzcut tragen wie ich, beschließen Tobi und ich uns etwas anderem zuzuwenden: Essen.

WĂ€hrend Hassan in seinem Buch unsere Namen auf Arabisch verewigt, rösten wir also auf seinem Herd unsere Kastanien. Wie gut, dass Tobi und ich noch welche ĂŒbrig hatten; nur ungern hĂ€tte ich mich an Hassans VorrĂ€ten bedient.

Zum Einen, weil ich mich -so leid es mir tut- ein wenig davor ekle, zum Anderen kann er das Essen selbst gut gebrauchen. Wobei: Bis jetzt habe ich ihn nur Wein zu sich nehmen gesehen…

Aber wir sind ja nicht seine Eltern, deshalb habe ich auch nicht das BedĂŒrfnis ihm zu sagen er solle doch auf seine Gesundheit achten. Von außen finde ich es sowieso immer schwierig auf einen Menschen einzuwirken; meiner Meinung nach muss jemand selbst zu seinen Erkenntnissen kommen.

Ein etwas anderer Schlafplatz

Nachdem Tobi und ich realisiert haben, dass aus dem „bleiben wir hier bis es aufgehört hat zu regnen“ mittlerweile spĂ€ter Nachmittag geworden ist, beschließen wir aufzubrechen. Nicht dass wir hier noch Wurzeln schlagen!

Weil alle anschließenden Trampversuche fehlschlagen und -entgegen der Voraussage von Hassan- der Busfahrer uns nicht gratis mitfahren lĂ€sst (welch Wunder xD), fahren wir schließlich mit dem Zug nach Taormina.

„Geht vom Bahnhof raus, biegt sofort links ab, dann ist zu eurer Rechten ein Schloss. Dort könnt ihr beruhigt schlafen.“ In meinem Kopf spule ich nochmals Hassans Wegbeschreibung ab und komme zum Entschluss, dass er tatsĂ€chlich das GebĂ€ude vor uns gemeint haben muss.

„Also ich sehe hier keine geeignete Stelle fĂŒr unser Lager. Wie sieht es bei dir aus?“, erkundige ich mich vorsichtig bei Tobi. „Ne, lass uns abhauen. Wir finden bestimmt was Besseres.“

Was Besseres ist relativ…
Nach einer halben Stunde haben wir ein Parkhaus entdeckt: Der harte Boden reizt mich gar nicht; der Aspekt mit der Überdachung und die MĂŒdigkeit ĂŒberwiegen aber.

Da Tobi und ich zwar an der Seite schlafen aber alles beleuchtet ist, können nicht nur wir die Autofahrer sehen, sondern auch sie uns. Mit ihren erstaunten GesichtsausdrĂŒcken, sobald sie uns erblicken, im Kopf schlafe ich schließlich ein xD

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