Sonnenuntergang am Meer in Pescara
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16. August: Zum ersten Mal am Meer (auf dieser Reise)

So schnell wie heute, sind wir noch nie in einem Zug ein- und wieder ausgestiegen. Tobi und ich hatten eigentlich schon einen Sitzplatz, aber…. als wir gesehen haben, dass der Kontrolleur seine Arbeit macht und immer nĂ€her zu uns kommt, hat es keine 2 Sekunden gedauert und wir sind aufgesprungen und haben schnellstmöglich den Zug verlassen…

Darum stehen wir jetzt wieder mal an der Straße und halten unsere DĂ€umchen nach oben. Nach einer halben Stunde hĂ€lt ein -mir sofort sympathisches- Paar an: Fabio und Luigia. Ziemlich schnell kommen wir ins GesprĂ€ch und die beiden sind sofort begeistert von unserer Reise ohne Geld.

An diese Worte werde ich mich noch lange erinnern können

Da sie in eine BĂ€ckerei mĂŒssen, um einen Geburtstagskuchen zu bestellen, nehmen sie uns mit. Erst sobald wir im Laden stehen, kapiere ich: Sie wollen uns einladen und haben uns deshalb nicht schon vorher auf der Straße rausgelassen!

NatĂŒrlich freue ich mich darĂŒber, aber gleichzeitig ist es mir zu blöd von ihnen alles bezahlen zu lassen. Tobi und ich bemĂŒhen uns nur ein paar wenige Dinge auszusuchen, doch nichts da: Luigia meint wir mĂŒssten dies und jenes probieren, schließlich sollen wir ja wissen, wie die abruzzesischen SpezialitĂ€ten schmecken.

Schlussendlich sitzen Tobi und ich vor einem vollen Teller mit allerhand Köstlichkeiten (schade, dass ich kein Foto davon habe): Crostata (boa ey, so lecker!), Kekse, GebĂ€ck mit Traubenmarmelade (typisch fĂŒr hier) gefĂŒllt, il BabĂ  (auch ultra lecker!), und und und

Wir bedanken uns bei den beiden herzlichst, doch es ist noch nicht Schluss: Im Supermarkt kaufen die Zwei uns noch einiges zum Abendessen; reichen wird es sicherlich morgen auch noch… Tobi und ich meinen, wir wĂŒrden ihnen gerne irgendwas zurĂŒckgeben, weil wir wirklich das GefĂŒhl haben sie sonst auszunutzen.

Die Antwort von Fabio wird mir noch lange im GedĂ€chtnis bleiben: „Schaut: Man muss nicht Materielles mit Materiellem ausgleichen. Luigia und ich haben es so genossen euren ErzĂ€hlungen zuzuhören; wir sind wahrlich inspiriert von euch. Und das ist Ausgleich genug.“

Die Worte wirken ehrlich und doch bleibt in mir ein GefĂŒhl zu viel genommen und zu wenig gegeben zu haben…

Immerhin tauschen wir zum Abschluss noch Nummern aus, sodass wir uns mit einem SĂŒdtirol-Urlaub bei ihnen revanchieren können, falls die beiden mal in unser Heimatland kommen.

Vorurteile: GefÀhrlich mitzufahren?

Ich bin so dankbar, so viel auf dieser Reise erleben zu dĂŒrfen. Gerade hat uns Mohamed, ein Senegalese, eine Mitfahrgelegenheit angeboten. Mir fĂ€llt auf, wie krasse Vorurteile ich bei DunkelhĂ€utigen habe, obwohl ich mich eigentlich als nicht-rassistischen und offenen Menschen beschrieben hĂ€tte.

Bevor wir eingestiegen sind, habe ich nĂ€mlich Tobi gefragt, ob wir ĂŒberhaupt mitfahren sollen. Ich hatte -wahrscheinlich durch die ganzen GlaubenssĂ€tze meiner Eltern- einfach Angst vor Menschen wie Mohamed.

Doch wĂ€hrend der Fahrt merke ich, wie sehr ich mich getĂ€uscht habe: Mohamed ist mega sympathisch und es ist fast so als wĂ€ren wir schon lange befreundet. Er erzĂ€hlt, dass er bereits 14 Jahre fĂŒr eine HĂŒhnerfabrik in Teramo arbeitet und nur mehr aufs Visum fĂŒr Amerika wartet. Doch dafĂŒr muss er 10.000€ vorweisen können und die hat er (noch) nicht.

Es klingt so als wĂ€re es sein Traum, in Amerika seinen Bruder wiederzusehen, sich mit ihm sozusagen wiederzuvereinen. Ich denke ĂŒber meine Familiensituation nach und muss sagen: Ja ich bin schon das 2. Mal auf unbestimmte Zeit fort. Trotzdem könnte ich es mir nicht vorstellen 14 Jahre lang meine Familie nicht mehr zu sehen… Muss schon krass sein.

Das erste Mal Meer

Zum ersten Mal am Meer auf dieser Reise
Schon auf dem Hinweg zum Meer hatten wir einen schönen Ausblick

Gestern in Giulanova haben wir zum ersten Mal auf der Reise das Meer gesehen. Da es aber schon spĂ€t abends war, hat sich nicht wirklich dieses FreiheitsgefĂŒhl eingestellt. Jetzt, wo wir bei strahlend blauem Himmel am Strand in Pescara stehen, entfĂ€hrt mir ein enthusiastisches „WOW!“

Auch Tobi scheint begeistert zu sein, denn seine Schuhe hĂ€lt er bereits in der Hand. Ich mache es ihm nach und ertaste barfuß den feinen Sand. FĂŒr Außenstehende mĂŒssen Tobi und ich ein komisches Bild liefern: Mit riesigen Backpacks auf dem RĂŒcken stehen wir hier barfuß am Strand und glotzen aufs Meer xD

Doch auf die umstehenden Leute achten wir gar nicht. Oberste PrioritĂ€t hat jetzt so schnell wie möglich ins kĂŒhle Nass zu kommen. Wir legen beim erstbesten freien Platz unsere RucksĂ€cke (oder trifft es besser unser Haus?) ab, ziehen uns schnell die Badesachen an und ab ins Meer!

Herrlich! Ein wunderbares GefĂŒhl durchströmt mich; ich denke mir: Ist das gerade real? So was gratis erleben zu dĂŒrfen?

Was nicht passt, wird passend gemacht!

Irgendwann ist es dann Zeit zu gehen, denn unsere bzw. eher Tobis Vampir-Haut ist die starke Sonne (noch) nicht gewöhnt. Wir schlendern ein wenig durch die Stadt und holen uns noch was zu essen. WÀhrenddessen halten Tobi und ich zwar Ausschau nach einem guten Schlafplatz, aber irgendwie sehen wir nirgendwo was Geeignetes.

Schlussendlich legen wir unsere Hoffnung auf den Park in der NĂ€he. Doch dann sehen wir: Wegen Wartungsarbeiten geschlossen! Das wĂ€re doch gelacht! Tobi und ich wollen uns von dem doofen Schild nicht abbringen lassen: Wir suchen einfach eine Stelle, wo die Mauer niedriger ist und steigen drĂŒber.

Tadaa! So schnell hat man seinen Schlafplatz! Ungestört sind wir auch noch!

Wir schlafen heute wieder im Park
Haha mein Gesicht xDDD

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